Sonntag, 02.06.2019

Die heutige Heimreise zurück in die Schweiz hatte ich in fünf gemütlichen Etappen mit jeweils genügend Umsteigezeit geplant, um allfällige Verspätungen möglichst in Schach zu halten. Zudem hatte ich eine Nonstop-Fahrt mit einem ICE-Sprinter über die erst kürzlich eröffnete Neubaustrecke (Halle/Leipzig-) Erfurt-Nürnberg (VDE 8.1/2) eingebaut. Nun, wir fuhren – bis auf die letzte Etappe Zürich-Bern – trotz Benützung von verspätungskritischen Zügen wie IC2 äusserst pünktlich!! Tinu hatte im Vorfeld nichts dagegen gehabt, und ich konnte da ja noch nicht wissen, dass er dann am Montagmorgen schon wieder nach Tel Aviv aufbrechen musste.

Nach Packen und Zmorge fuhren wir zuerst mit einem ICE1 (IC595) von Leipzig nach Erfurt. Hier machten wir in der Bahnhofunterführung einige Tram-Fotos, bevor es mit dem ICE-Sprinter 1003 (ICE3) ohne Halt von Erfurt über die kürzlich mit ETCS eröffnete Neubaustrecke nach Nürnberg weiterging. Hier holten wir uns im Untergrund etwas Mittagsproviant, den wir auf der Weiterfahrt im IC2068 (IC2-Dosto) nach Stuttgart verdrückten. Die Züge wurden nun langsam voller wegen Rückreiseverkehr nach langem Wochenende. Auf der nächsten und längsten Etappe im IC 189 von Stuttgart nach Zürich konnten wir dann schon wieder heimischen Erstklasskomfort geniessen, doch die Fahrt zog sich in die Länge, wenigstens war das Wetter gut, und es gab unterwegs viel zu sehen. In Zürich wurden dann Reisende eines ausgefallenen Jurafuss-ICN auch noch in unseren Zug nach Bern gepfercht, der wegen eines im Heitersbergtunnel stecken gebliebenen Zuges (= Auslöser des Ausfalls) und Extrahalt in Olten zudem noch weitere Verspätung erhielt. Ab Olten wars dann wieder erträglicher im Zug und die Verspätung hielt sich dermassen in Grenzen, dass ich in Bern gar nicht mehr lange auf meine S-Bahn warten musste. In der Bahnhofunterführung verabschiedete ich mich von Tinu, er ging auf den Bus nach Hause, ich auf die S1. Zuhause angekommen gabs dann nach dem Auspacken/Wegräumen noch Spargelsuppe und Lachsbrötli, mehr gab der Kühlschrank nicht her…

Samstag, 01. Juni 2019

Heute war unser Jokertag, auf dem Plan stand ursprünglich nur noch die Strassenbahn von Naumburg. Da wir sonst (fast) alles auf unserer Liste abgehakt hatten, konnten wir sogar noch eine zusätzliche Bahnlinie in unser Programm einbauen. So fuhren wir am Vormittag zuerst nordwärts nach Dessau, von wo aus ein lustiger doppelstöckiger Schienenbus eine früher eingestellte Strecke nach Wörlitz und zurück befuhr. Sie führt durch die Gartenlandschaft Dessau-Wörlitz, riesige Landschaftsparks, angelegt im 18. Jahrhundert durch Fürst Leopold III. Franz und Fürstin Louise, deren Namen auch die beiden Triebwagen der Bahn tragen. In Wörlitz reichte die Zeit gerade knapp, um vom Bahnhof durch das schmucke Dorf an eine Seepromenade in gepflegter Parklandschaft zu gelangen, dort ein paar Bilder zu schiessen und wieder zurück zum Bahnhof zu gelangen. Gelohnt hat sich die Fahrt trotzdem, denn diese Prototyp-Schienenbusse fahren sonst nirgendwo mehr in Deutschland. Von Dessau gings dann südwärts, via Halle (Saale) nach Naumburg. Hier fährt die kürzeste Strassenbahnlinie Deutschlands, und zufällig war heute auch noch die Besichtigung des Depots der Bahngesellschaft möglich. Vom Vorplatz des Bahnhofs Naumburg gings zum Postplatz, wo schon eine kleine Schar „Höbeler“ darauf wartete, dass die Depottore geöffnet würden. In der Remise gabs dann in recht engen Platzverhältnissen untergebrachte Fahrzeuge zu bestaunen, man möchte möglichst ein Fahrzeug jedes ehemaligen DDR-Typs der Nachwelt erhalten. Ein schrulliger älterer Herr führte uns mit sehr trockenem Humor durch die Anlage. Nach dem Ende der Besichtigung fuhren wir noch die restliche Strecke der nur 2,9 km langen Trambahn bis zur gegenwärtigen Endhaltestelle Salztor. Irgendwann soll dann der Ring bis zum Bahnhof wieder geschlossen werden. Wir nahmen die andere Richtung und fuhren mit dem Triebwagen nochmals die ganze Strecke bis zurück zum Bahnhof. Über Halle, wo wir ungeplant noch gerade einen IC2 erreichten, gings zurück nach Dresden, wo wir uns langsam ans Zusammenpacken machten. Dann erneut ein kleiner Stadtrundgang mit Restaurantsuche, wobei uns das unerklärlich hohe Polizeiaufgebot auffiel. Schliesslich genossen wir im Garten einer Beiz noch eine sächsische Pizza.

Tinus Erlebnisse

Freitag, 31. Mai 2019

Heute holten wir noch die zweite verpasste Bahn nach, nämlich die Lössnitzgrundbahn, die wir gleich in unseren Transfer nach Leipzig einbauten. Da wir nun unser ganzes Gepäck wieder dabei hatten, belegten wir natürlich ordnungsgemäss ein Abteil für Traglasten. Das Wetter war auch bedeutend besser, als am Dienstag, so wurde die Fahrt nach Radeberg und zurück durch interessante Landschaft zum Plausch, wir verbrachten viel Zeit auf der offenen Wagenplattform und liessen uns den Fahrtwind bei 30 km/h durch die Haare über die Glatze rauschen.

Nach diesem Ausflug holten wir uns in Radebeul noch etwas Mittagsproviant, bevor es dann mit einem recht vollen Saxonia-Express weiter nach Leipzig ging. Die riesige Halle des Hauptbahnhofs beeindruckt immer wieder. Hier hatte ich uns im IC-Hotel ganz in der Nähe ein Zimmer für die letzten zwei Nächte gebucht. Wir richteten uns kurz ein, dann trennten sich unsere Wege. Während Tinu einen orientalischen Barbier aufsuchte, besuchte ich im MdbK (Museum der bildenden Künste) „Peace is Power“, eine Sonderausstellung von Yoko Ono, von welcher ich vor ein paar Wochen zufällig erfahren hatte. Über das ganze Museum verteilt waren verschiedenste Exponate der Künstlerin/Sängerin/Witwe von John Lennon zu besichtigen, an einigen konnte man sogar selber Hand anlegen. Sehr interessante Sache, und ich hätte nicht gedacht, dass ich dort über zwei Stunden drin sein würde. Auch Tinu brauchte etwas länger, war noch per Tatra-Tram in der Peripherie der Stadt unterwegs, ich holte ihn dann an einer Tramstation ab, anschliessend liessen wir in der Altstadt in einer Beiz namens Zill’s Tunnel bei sehr währschafter einheimischer Kost den Abend ausklingen.

Tinus Tag

Donnerstag/Auffahrt 30. Mai 2019

Bei prächtigem Wetter war unser erstes Ziel also die Pressnitztalbahn. Wir deckten uns im Bahnhof Dresden noch mit Reiseproviant ein, lösten ein Sachsen-Ticket, eine Tageskarte für die Grossregion und fuhren mit der MRB-Grinsekatze nach Flöha, wo wir auf einen DB-Triebwagen ins Pressnitztal umstiegen. Das wollten an diesem Feiertag viele andere und auch viele mit Velos auch, was zu einem grossen Gedränge im Zug führte. Bei jedem Bahnhof talaufwärts, wo wir dachten, jetzt steigen dann sicher welche aus, kamen noch weitere Fahrgäste, oft mit Velos, dazu. Voll gepfercht fuhren wir bis Wolkenstein und verloren bei jedem Halt weitere Minuten. Doch der Anschlussbus in Wolkenstein wartete zumindest auf uns. Ein historischer Fleischer-Bus aus 60er DDR-Produktion fuhr uns dann durch liebliche Frühlingslandschaft das Tal hinauf nach Steinbach. Unser Chauffeur war offenbar ein Gast-Fahrer, denn er liess sich den Weg von einem Beifahrer beschreiben, und bei der Abfahrt hatte er etwas Mühe mit der Wagenbremse. Dies trug auch nicht gerade zum Einholen der Verspätung bei, und so war unser Anschlusszug in Steinbach längst abgefahren, als wir dort eintrafen. Doch der nächste Dampfzug kam schon bald und brachte uns eine Stunde später nach Jöhstadt, wo wir eine Mittagspause einlegten und den zweiten Zug abwarteten, um mit ihm wieder talabwärts zu fahren. Zurück in Steinbach mussten wir noch etwas auf den Bus warten und leisteten uns dafür ein Bier übers Gleis, ääh über die Gasse. Als er eintreffen sollte, stand ihm auf dem extra beschilderten Wendeplatz ein weisser Reisebus im Weg und es dauerte ein wenig, bis sich die beiden nicht mehr in die Quere kamen. Wir hatten es inzwischen eh aufgegeben, unser ursprüngliches Unterfangen, auch noch die Fichtelbergbahn zu besuchen, zu verfolgen, denn wir waren dem Plan schon etwa drei Stunden hintendrein. Wenigstens klappte der Anschluss in Wolkenstein, und der Zug war voll, aber nicht so voll, dass man keinen Sitzplatz mehr bekam, und die Velos fehlten vollkommen, die fuhren jetzt wahrscheinlich talwärts auf der Strasse… In Flöha wechselten wir wieder auf den MRB-Regionalexpress Dresden, doch der Spuk war noch nicht vorüber, in Freiberg blieb der Zug nochmals fast 20 Minuten stehen wegen eines Notarzteinsatzes in unserem Zug. Wir schlenderten durch die bereits bekannte Einkaufsstrasse zurück zum Hotel, mochten zum Znacht nicht mehr weit gehen und landeten deswegen gleich über den Kirchplatz bei einem weiteren Italiener, Lage besser, Service und Food (die hatten nicht mal Risotto) jedoch weniger gut als gestern.

Wir haben aus diesem Tag folgende Lehren gezogen:

  • unsere Pläne sind manchmal zu ambitiös, weniger wäre mehr
  • keine knappen Minutenanschlüsse zwischen historischen Fahrten planen, es kann immer was Unerwartetes passieren
  • keine umfangreichen Ausflüge mehr am Auffahrtstag in Deutschland

Tinus Erlebnisse

Mittwoch, 29. Mai 2019

Wir hatten noch was nachzuholen vom zweiten Tag, so änderten wir heute kurzerhand die Hinreise nach Zittau und fuhren statt direkt nochmals nach Bad Schandau, die Elbstrecke ist ja immer wieder spektakulär. Weiter gings im sofortigen Anschluss mit der Nationalparkbahn U28, einem DB-Zug mit CD-Personal nach Sebnitz und über die Grenze nach Rumburk in Tschechien. Der Zugbegleiter konnte uns sogar ein FIP-Anschlussbillett für die CD verkaufen, denn wir hatten natürlich keine Freikarte dabei, weil wir diese Schlaufe nicht geplant hatten. Unterwegs mussten wir in Mikulášovice dolní nádraží noch den Zug wechseln, da man hier wegen einer grösseren Baustelle nicht kreuzen konnte, also fuhren beide Züge an das eine verbleibende Perron und die Fahrgäste kreuzten sich auf ein paar Metern Fussweg. Keine Verspätung, alles durchgeplant. Ab Rumburk fuhren wir dann mit einem Triebwagenzug der CD noch weitere zehn Minuten in die Tschechische Republik hinein bis nach Rybniště, wo ein Anschlusszug von Trilex nach Zittau auf uns wartete. Wir lösten beim chinesischen Zugbegleiter gleich eine Tageskarte, da wir heute noch mehr mit dieser Privatbahn zu fahren gedenkten. Nach wenigen Kilometern und zurück über die Grenze erreichten wir Zittau, das im Dreiländereck D-PL-CZ liegt. Zum Zmittag gabs eine feine Suppe namens Soljanka in der Bahnhofsgaststätte, eher ein Bistro. Nun besuchten wir die  Zittauer Schmalspurbahnen mit einer Hauptstrecke nach dem Kurort Oybin und einer Zweigstrecke nach dem Kurort Jonsdorf. Der Fahrplan ist so ausgeklügelt, dass man beide Zweige mit zwei verschiedenen Zügen befahren kann, dabei gibt’s im Abzweigbahnhof Bertsdorf etwa alle zwei Stunden eine attraktive Parallelausfahrt der beiden Dampfzüge. Wir reisten zuerst nach Oybin, wo ein kleines Museum der Zitauer Bahnen geöffnet hatte. Von dort wieder über Bertsdorf nach Jonsdorf benützten wir dann einen Zug mit prächtig restaurierten alten Wagen. Von Jonsdorf gings dann mit Umsteigen in Bertsdorf wieder zurück nach Zittau. Wir stärkten uns nochmals kurz beim schon bekannten Bahnhofbistro mit einer Bratwurst. Zum Glück, denn eigentlich sollte es einfach noch mit einem Trilex-Zug „heim“ nach Dresden gehen, und wir rühmten schon unser ausgeklügeltes Programm. In Bischofswerda war dann jedoch Ende der Fahrt wegen eines Personenunfalls auf der Strecke, ohne grosse Vorankündigung wurden wir auf den Bahnhofplatz hinaus komplimentiert, wo Ersatzbusse fahren sollten. Es kam aber keiner und die Information war ziemlich mies, unverständlich und unterschiedlich. Etwa 40 Minuten später, ein grosser Teil der Leute hatte sich schon irgendwie selber organisiert, kam dann endlich ein einziger Bus, der uns 18.54–19.12 etwa 15 km zum nächsten Bahnhof Arnsfeld brachte. Dort standen zwar zwei Züge des Anbieters Trilex, doch niemand konnte sagen, ob und welcher Zug nun nach Dresden fahren würde. Arg dran waren auch die Reisenden der Gegenrichtung, von denen etwa vier-fünfhundert auf den einen Bus wollten. Es dauerte fünfzig weitere Minuten, bis sich was tat was und sich endlich ein Zug Richtung Dresden bewegte. Wir hätten bei uns schon längst die Umläufe angepasst und auf dem befahrbaren Streckenteil (von immerhin etwa 30 km) den Fahrplan zumindest aufrecht erhalten, dies hier war also gar keine grandiose Leistung! Die Verspätung erhöhte sich noch, weil wir vor dem Endbahnhof lange vor Signal standen (O-Ton Lokführer: „der Fahrdienstleiter will nicht mit mir sprechen“). Um 20.33 statt 18.58 kamen wir endlich im Dresdner Hauptbahnhof an, ziemlich geschafft. Wir hatten aber noch Hunger und kehrten deshalb in einer Einkaufsstrasse bei einem Italiener zu leckeren Spargel-/Lauch-Nudeln bzw. Spaghetti ein. Nach einem erneut sehr langen Tag waren wir nun ziemlich müde. Ausserdem gehts auch morgen wieder früh raus, volles Programm also.

Tinus Sicht der Dinge

Dienstag, 28. Mai 2019

Das Wetter war heute nicht auf unserer Seite, trotzdem machten wir uns auf den Weg nach Oschatz, von wo wir mit der nächsten Schmalspurbahn nach Mügeln und zurück fahren wollten. Der Saxonia-Express, die Schnellverbindung zwischen Dresden und Leipzig, brachte uns dorthin. Auf der Döllnitzbahn war heute (werktags) eine ehemalige ÖBB-Diesellok im Einsatz, welche aber auch schon als historisch betrachtet werden kann. Am Wochenende feuern sie auch auf dieser Strecke ihre Dampflokomotiven an. Auch wenn der Regen inzwischen aufgehört hatte, waren wir praktisch die einzigen Fahrgäste, unterwegs stiegen nur noch ein paar Schüler auf dem Weg in ihre Mittagspause zu. Die Bahn führt durch eine liebliche Landschaft im tiefsten Sächsischen Hinterland von Oschatz nach Mügeln. Sie ist ein verbliebener Teil eines früher recht umfangreichen Schmalspurnetzes in dieser Gegend bzw. in ganz Sachsen. Das sieht man auch am Bahnhof Mügeln, der in seinen besten Zeiten wohl sehr umfangreiche Gleisanlagen besessen haben muss. Vor dem Depot stand die neueste Errungenschaft der Bahn, ein ebenfalls ehemals österreichischer Dieseltriebwagen aus den 90er Jahren, und als unsere Diesellok nach Ankunft auch Richtung Werkstatt verschwand, befürchteten wir schon, dass wir für die Rückfahrt mit dem Triebwagen Vorlieb nehmen müssten. Nachdem wir uns auf dem Bahnhof ein wenig umgeschaut und die vielen abgestellten Altfahrzeuge begutachtet hatten, kam die Lok aber aus ihrer Mittagspause zurück an den abgestellten Zug. Pünktlich erreichten wir wieder Oschatz, für den Nachmittag hatten wir nun noch eine weitere Bahn vorgesehen. Doch jetzt  war der Saxionia-Express aus Richtung Leipzig verspätet und verlor unterwegs noch einige weitere Minuten wegen belegten Überholgleisen (oder schlampiger Fdl-Arbeit?), so dass wir in Radebeul Ost keine Dampfbahn nach Radeberg mehr vorfanden. Schon wieder musste ein Plan B her. Wir liessen die Lössnitzgrundbahn sein (fotografierten aber noch ein paar rumstehende Fahrzeuge), wärmten uns kurz in einer nahen Cafeteria auf, liefen danach ein paar Meter bis zur Tramstation Forststrasse an der Tarifgrenze, von wo aus unsere vorgängig gelöste Tram-Tageskarte für die Stadtzone gültig war und fuhren mit einem Tram Richtung Innenstadt von Dresden. Im Hotel erholten wir uns ein wenig von den Strapazen der vergangenen Tage und gingen später noch gleich gegenüber ins Ontario Steakhouse zum Znacht. Nichts herausragendes, aber gut gefüttert.

Tinus Tag

Montag, 27. Mai 2019

Wie gesagt ging es heute schon früh los, wir hatten leider fast keine Zeit, den ausgezeichneten Komfort des Hotels FirstInn zu geniessen, sogar das Morgenessen entfiel, weil wir so früh los mussten. Zuerst gings mit dem TramTrain zurück an den Hauptbahnhof, wo wir uns gleich um ein weiteres Ticket der MRB kümmerten, vor 9 Uhr gabs leider keine Sonderpreise, so dass dies wohl unser teuerstes Billett der Reise wurde. Wir fuhren über Chemnitz bis Tharandt (Betonung auf dem ersten A, wie ich schmerzhaft lernen musste). Ab da gings mit der Freikarte und der Dresdner S-Bahn ein paar wenige Stationen bis Freital-Hainsberg, wo die erste Dampfbahn unserer Exkursion auf uns wartete. Mit der Weisseritztalbahn (oder Weißeritztalbahn, wie die einheimischen Sachsen sagen würden) fuhren wir von Freital bis zum Kurort Kipsdorf. Durch dichte Wälder, zieht sich die Strecke entlang des Flüsschens hinauf, später geht es noch einem lauschigen Stausee entlang, bevor Kipsdorf erreicht wird. Dort wurde der Zug von der Dampflok der BR 99 umfahren. Wir blieben gleich sitzen, hatten mit unserem mitgeführten Gepäck ein «Traglastenabteil» belegt, und fuhren mit dem Zug wieder zurück nach Freital. Hier schauten wir noch ein wenig dem Treiben im Dampfbahnhof zu und fuhren dann mit der S-Bahn nach Dresden, wo wir unser Gepäck in einem Schliessfach deponierten, denn es ging gleich weiter nach Bad Schandau im Elbsandsteingebirge, diesmal mit einer anderen S-Bahn-Linie. Die Strecke entlang der Elbe Richtung Tschechien ist spektakulär. In Bad Schandau konnten wir gleich am Bahnhof auf eine Fähre umsteigen, welche uns in wenigen Minuten schräg über die Elbe zum Stadtzentrum brachte. Kleiner Fussmarsch noch durch den Ort, bis wir am Kurpark die Endhaltestelle der Kirnitzschtalbahn erreichten, für einmal kein Dampfzug, sondern ältere Tramwagen, welche aber gut in Schuss sind. Der Strasse entlang gings ins Tal hinein bis zum Lichtenhainer Wasserfall, wo der Triebwagen seine beiden Beiwagen für die Rückfahrt umfahren musste. Neben der Ausflugsgaststätte befand sich besagter Wasserfall, welcher aber nur alle halbe Stunden mit einem Schieber, der gehoben wird, zum Laufen gebracht wird. Lustige Szenerie mit dramatischer Musik. Wir gönnten uns im Gasthof ein Eis, machten noch ein paar Tramfotos und fuhren dann wieder zurück nach Bad Schandau, erreichten dort knapp die nächste Fähre zum Bahnhof. Da wir schon etwas Rückstand auf den ursprünglichen Zeitplan hatten, verzichteten wir auf die geplante letzte Schlaufe via Sebnitz-Pirna und fuhren mit der nächsten S-Bahn direkt zurück nach Dresden, holten das Gepäck und fuhren mit dem Tram an den Rand der Innenstadt. Nach einem kleinen Spaziergang der Elbe entlang erreichten wir den Platz vor der Frauenkirche, wo Tinu uns im Hilton vier Nächte im gebucht hatte. Wir richteten uns kurz im Zimmer ein und gingen dann noch ins Dresden 1900 Nachtessen. Hier stand im Gastbereich ein veritables, altes, renoviertes Trämmli. Gut genährt fielen wir danach nach einem langen und interessanten Tag in die Federn.

Tinus heutige Erlebnisse

Sonntag, 26. Mai 2019

Lange ist es her, seit meinem letzten Reisebericht, doch keine Angst, man hat nichts
verpasst, ich war ein Jahr lang einfach nicht gross unterwegs.

Im Regionalzug nach Sachsen

Doch jetzt ist wieder Auffahrtszeit und damit Zeit für unsere traditionelle Auffahrtsreise, die uns diesmal nach Mittelostdeutschland führt, vorwiegend in die sächsische Region. Erstes Etappenziel war Zwickau. Als Anfahrtsweg hatten wir vor, zumindest ab Deutscher Grenze vorwiegend mit dem Regionalverkehr voranzukommen, was auch beinahe gelang:
Bern – Zürich – Romanshorn – (Fähre) – Friedrichshafen – Lindau – Augsburg – Ingolstadt – Nürnberg – Marktredwitz – Hof – Zwickau

Zuhause starteten wir allerdings noch mit einem InterCity von Bern nach Romanshorn, der wegen Bauarbeiten in Zürich gebrochen wurde. Nach dem Feinschliff bzw. Vergleich der Varianten hatten wir vorgängig entschieden, eine halbe Stunde später als ursprünglich geplant in Bern abzufahren, was sicher auch Tinu zugute kam, der am Abend vorher noch mit YB den Meistertitel feierte.
Los gings um halb Sieben in Bern, der baubedingte Zwischenstopp in Zürich reichte gerade für einen ersten Kaffe, bevors Richtung Romanshorn weiterging. In Frauenfeld bremste der Lokführer nach einer Langsamfahrstelle vor dem Bahnhof nicht etwa zum Anhalten ab, sondern liess es weiterrollen, bis er Ende Bahnhof wohl seinen Lapsus bemerkte. Es folgte die Durchsage, dass man leider den Halt verpasst habe und nun rückwärts ans Perron fahren würde. Meine kleine Überschlagsrechung gefüttert mit Erfahrungspotential sagte mir sofort, dass wir so die Fähre in Romanshorn sicher verpassen würden, wenn dieses Szenario wirklich durchgespielt würde. Unsere ganztägig geplante Anreise nach Sachsen war also gefährdet, kaum hatte sie begonnen. Wir suchten schon erste Alternativlösungen (Abkürzungen), um doch noch Zwickau zu erreichen, als dann die (für uns rettende) Durchsage kam, dass man nun dennoch weiterfahren und die Reisenden nach Frauenfeld beim nächsten Halt in Weinfelden dem Gegenzug übergeben würde. BZ Ost hatte wohl ein Machtwort gesprochen…
So gings rund fünf Minuten verspätet weiter, in Romanshorn erreichten wir gerade noch ohne zu Hetzen unsere Fähre nach Friedrichshafen und gönnten uns auf den kleinen Schreck hin erstmal einen weiteren Kaffee im Schiffsrestaurant. Nach bewölkter Anfahrt rissen dann über dem See noch die Wolken auf, so dass wir Friedrichshafen bei Sonne erreichten. Wir suchten und fanden dann alsbald hinter dem Hafenbahnhof unseren Zug zum Stadtbahnhof, wo wir nach zwei Minuten Fahrzeit schon wieder umzusteigen hatten. Unser Anschlusszug wurde zu meiner Freude von einer Diesellok BR 218 geführt, einer langsam aussterbenden Lokgattung.


In Lindau hatten wir etwas Zeit und erkundeten den bald verschwindenden Bahnhof fotografierend. Meine Hoffnung, dass auch der RE nach Augsburg mit einer 218 geführt würde, erfüllte sich leider nicht, wir mussten mit einem Neigezug vorlieb nehmen. Dieser kurvte mit uns nun durchs kurvenreiche Allgäu, jedoch nicht über die Hauptstrecke via Memmingen, die wegen Bauarbeiten gesperrt ist, sondern via Kempten-Buchloe und weiter nach Augsburg. Dort stiegen wir erstmals auf einen Privatbahnzug um, wo unsere DB-Freikarte nicht gültig ist, (Bayerische Regiobahn/BRB) dafür gabs Fahrkarten am Automat im Zug, welcher sehr, sehr gut gefüllt war. Nach einer etwas beengten Dreiviertelstunde Fahrt und einer angekündigten Langsamfahrstelle von Vmax 10 km/h über einen Kilometer gabs für uns in Ingolstadt wieder frische Luft und wenig aber genügend Zeit zum Umsteigen. Ein kurzes Stück war nun Fernverkehr angesagt…
Da der ICE nach Nürnberg schon am Perron stand, als wir die Treppe hochkamen, achteten wir uns nicht gross und stiegen einfach mal ein, erst beim Verlassen des Zuges in Nürnberg bemerkten Tinu und ich, dass wir wohl gerade unsere ICE4-Premiere erlebt hatten.

Bevors weiter geht, ein kurzer Exkurs: Nachdem in Deutschland immer mehr regionale Linien von der DB an private Betrieber übergegangen sind, wird es für uns immer mühsamer, mit unserem DB-Freifahrschein im Regionalverkehr vorwärts zu kommen, weil der in den Privatbahnzügen natürlich nicht gilt, obschon meist DB-Gleise befahren werden. Die Planung unserer Reise wurde diesbezüglich richtige Ermittlungsarbeit, die wichtigsten Fragen, die man sich pro Strecke stellen musste: Fährt DB? Wenn nein, welches EVU? Wo kriege ich mein Billett und zu welchem Tarif? Eine Bahn, die BRB hatten wir schon, gleich folgen die nächsten, MRB und Vogtlandbahn, aber lest selbst….

Von Nürnberg gings wieder mit Dieselneigezug weiter über die Fränkische Alb und Marktredwitz nach Hof und von dort mit modernen Elektrotriebwagen der Mitteldeutschen Regiobahn bis zu unserem Ziel Zwickau. Hier sollte man das Ticket laut Anschlag beim Begleiter erhalten können. Die Zugbegleiterin kam aber erst etwa nach einer halben Stunde Fahrt, kurz vor dem ersten Halt in Plauen. Sie meinte, so wie wir sitzen müsste sie uns einen Zuschlag von 60 € verlangen, wir hätten uns aktiv bei Fahrtbeginn bei ihr melden müssen (hätten wir sie denn zuvorderst am Zug ausserhalb des Perrons gefunden…). Was das mit unserer Art zu sitzen zu tun hat, ist mir bis heute schleierhaft. Schliesslich wechselte sie doch in den Gutmensch-Modus und verkaufte uns sogar noch einen Spezialtarif sowie auch gleich noch das Billett für den Anschlusszug. Denn den allerletzten Abschnitt vom Zwickauer Hauptbahnhof zur Endhaltestelle Zentrum fuhren wir mit einem kleinen Dieseltriebwagen der Vogtlandbahn auf kombinierten Tram/Zuggleisen bis mitten ins Städtchen. Von der Haltestelle waren es dann nur noch wenige Schritte zum Hotel First Inn, wo wir zur vorgesehenen Zeit einchecken konnten. Nach einem kurzen Stadtbummel gabs ein deftiges Znacht im Brauhaus, bevor wir müde in die Federn fielen. Morgen gehts eben auch schon früh weiter…

Tinus Start of mission

Freitag, 11.05.2018

Kaum ist Auffahrt durch, ist die Reise auch schon zu Ende

Nach vielen Tagen freiwilligem Frühaufstehen (mehr oder weniger…) holte mich der Wecker heute wieder in die Realität zurück. 6:10 aufstehen, duschen, damit ich das für 6:40 bestellte Frühstück nicht verpasse. Hier fehlte allerdings meine ebenfalls vorbestellte Omelette mit Schinken, doch das Buffet war so reichhaltig, dass ich das locker kompensieren konnte. Die Bedienung heute früh war offenbar auch recht neu… Danach fertig packen und bereit machen für den Airport-Shuttle um 7:30. Da ich der einzige Passagier war, konnten wir schon fünf Minuten eher losfahren und um 7:30 stand ich bereits am Airport vor dem Baggage-Drop. Danach hatte ich noch etwas Zeit, den neuen Terminal des Franjo Tudman-Airport näher zu begutachten. Architektonisch sicher beeindruckend, doch von der riesigen Halle werden bisher nur etwa ein Drittel genutzt, die Seitenflügel links und rechts sind leer. Erwartet man da etwa noch weiteren Verkehr? Bis zum Gate ging dann alles flott, dort stand aber eine grössere Maschine als erwartet am Dock. Zum Einsteigen benutzten wir nun zwar dieses Dock, doch wir wurden ganz hinunter zu einem Bus geleitet, der uns dann zum erwarteten Propellerflieger brachte. Vor dem Start mussten wir am Pistenrand noch den Tiefflug einer wohl historischen Militärmaschine abwarten, dann ging es bei leicht wolkigem aber gutem Flugwetter Richtung Zürich, wo wir pünktlich landeten und natürlich wieder per Bus zum Terminal gebracht wurden. Bald hatte ich einen Anschlusszug und kurz nach 13 Uhr erreichte die Heimat bei sonnigem Frühlingswetter.

Freitagmittag, am Tag nach Auffahrt, ist also meine Auffahrtsreise schon zu Ende. Trotzdem hat sie fast zwölf Tage gedauert, halt mit langem Vorlauf.

Tinu wünsche ich gute Weiterreise Richtung Norden!!

Tinus Tagesbericht

Aktuellster Bericht von Tinus Reise

Donnerstag, 10.05.2018

Bahnersatz auf Kroatisch und Überraschung am Ziel

Wie uns der Campwächter gestern vorausgesagt hatte, schlief man hier heute länger, wegen der guten Luft. Wir hatten allerdings einfach Zeit und liessen es Morgen werden, nachdem der eine oder andere nachts halt auch mal den feuchten Weg durchs taufrische Gras zum WC auf sich genommen hatte. Für mich stand Zusammenpacken auf dem Programm, und natürlich machten wir den Camper bereit für die Weiterreise. Ein letztes Mal für mich genossen wir das Morgenessen draussen in der wärmenden Sonne. Gegen Mittag gings los, erst mal zum nahen Bahnhof Vrhovine. Hier sollte um 12:22 mein Zug nach Zagreb fahren. Der Bahnhofvorstand war auch schon im Einsatz für den einen Zug, doch beschied er uns, dass heute eben gar keiner fahren würde, dafür komme ein Ersatzbus, wir sollten hinter dem Bahnhof warten. Nach einigem Warten kam tatsächlich ein Bus daher, ich verabschiedete mich von Tinu, der mit dem Camper weiter nach Bosnien fährt (gute Reise!!!), und bestieg den Bus, der fast genau um 12:45 losfuhr. Meine HZ-Freikarte war hier natürlich auch gültig und nach einigem «Nuschen» konnte auch das Gepäck verstaut werden. Über einen weiten Umweg  wurde nun das Hügelmassiv zwischen Vrhovine und dem nächsten Haltebahnhof Plaski umfahren. Dazwischen gabs noch eine Viertelstunde Rauchpause fürs zahlreich mitfahrende Personal. Irgendwo sah man einen Gleisumbauzug auf offener Strecke, was wohl der Grund des Zugsausfalls war. Schade, die Strecke wäre landschaftlich sehr interessant gewesen. Weiter gings nach Karlovac und schliesslich Zagreb, wo wir kurz nach 16:30 eintrafen (statt 14:45 mit dem Zug). Mein Hotel hatte ich draussen am Flughafen gebucht, damit ich am Morgen nicht mehr weit habe. Der Plan war, rasch das Gepäck dorthin zu bringen, einzuchecken und dann wieder in die Stadt zu fahren. Mit der verspäteten Ankunft und im dichten Feierabendverkehr wurde das nun schwierig. Der Airport-Bus war zwar rasch erreicht, trotz längerem Fussweg von Bahnhof zum zentralen Bushof bei hier 31°. Doch dieser hielt dann nicht in der Nähe des Hotels, vis-à-vis des vermeintlichen Flughafenterminals, sondern fuhr noch etwa drei Kilometer weiter zu einem sehr neu aussehenden Terminal mitten auf dem Felde. Zurück zum Hotel gings halt jetzt per Taxi, wobei der Fahrer noch Umwege fuhr, teilweise berechtigt, teilweise nicht, was aber doch ziemlich in die Kuna (Kroatische Währung) ging. Im Hotel Pleso angekommen gabs dafür einen Willkommensdrink nach Wahl, das Zimmer ist ausreichend für die eine Nacht und man hat sich an der Reception sehr Mühe gegeben. Für den Morgen reservierte ich mir gleich den Airport-Shuttle des Hotels, um weitere unnötige Taxikosten zu vermeiden. Nun gab es mehrere, allerdings mühsame Möglichkeiten, um per Bus zurück in die Stadt zu gelangen, doch ging ich aufgrund eines fehlerhaften Plans, den ich an der Reception unter Glas kurz begutachten konnte, erst mal an die falsche Bushaltestelle auf einen Bus warten, der dort gar nicht kam. An den Haltestellen in der Peripherie hängen keine Fahrpläne oder weitere Infos aus, an denen man sich orientieren könnte, sie sind einfach mit einem Bus-Schild gekennzeichnet und fertig. Sehr schlecht für unkundige Auswärtige. Als dann kein Bus kam, brauchte ich doch etwas Zeit und musste diverse Apps bemühen, um per Handy die Situation zu analysieren. Schliesslich kam ich zum Schluss, dass es wenig Sinn machte, jetzt noch – es war inzwischen schon gegen 20 Uhr – in die Innenstadt zu fahren, denn damit wären in beiden Richtungen halbstündige Fussmärsche zur/von der nächsten Bushaltestelle nötig gewesen. Also ging ich zurück ins Hotel, dabei wurde mir auch die lokale Problematik hier bewusst. Der Ortsteil Pleso des Städtchens Velika Gorica, in welchem meines und noch zwei oder drei andere Hotels in einer ruhigen Wohngegend stehen, ist durch einen Zaun vom Flughafengelände und der Zufahrtsstrasse abgetrennt. Für Fussgänger gibt es durchaus Schlupflöcher in Form von Toren, für Autos jedoch nicht, deshalb der Umweg des Taxis. Man hätte aber auch einfach etwa vier Minuten zurückfahren und mich an so einem offenen Gatter abladen können, dann hätte ich nur noch etwa 50 m zu Fuss gehen müssen, aber das widerspricht wahrscheinlich dem Stolz eines Taxifahrers… Gegenüber des Quartiers hier steht der alte Terminal des Flughafens Zagreb, jetzt ausser Betrieb und anderweitig genutzt (in Google Maps allerdings so nicht ersichtlich, deshalb mein Planungsfehler), die Hotels hier haben wohl bisher von der Nähe zum Flughafen profitiert, bis der neue Terminal weit entfernt in Betrieb ging, und versuchen sich nun, mit Billigangeboten (wie meines) über Wasser zu halten, denn viel läuft hier irgendwie wirklich nicht. Zum Glück hatte ich noch einige Fressalien mitgenommen, die damit mein Znacht für heute ergaben. So war das heute halt der Fastentag, nach den kulinarischen Höhenflügen der letzten Tage eh mal nötig. Und Stadtbesichtigung Zagreb hebe ich mir für später mal auf und werde mir dazu genügend Zeit nehmen!

Tinus Tagesbericht