Montag, 15.01.2018

(nun Melbourne-Zeit, CH + 10 Std)

Die Sache mit dem Gepäck. Am Morgen hatte ich rasch alles zusammengeräumt und verpackt, da ich meiner Meinung nach noch nicht viel gekauft hatte, sollte auch mein Koffer nicht viel schwerer sein als die 21,xx Kilo der Hinreise, ich dachte ich hätte also noch 1,xx Kilo «Luft». In Melbourne regnete es immer noch, richtig stark, als ich gerade meinen Koffer ins Auto verfrachten wollte. Auch bei der Freiluft-Mietwagenrückgabe wurde das Administrative eine feuchte Angelegenheit, dafür konnte man nachher auf einem überdeckten Fussweg die drei Minuten zum Terminal 4 zu Fuss gehen. Die Gepäcketikette musste an einem Automaten ausgedruckt werden, mich wunderte noch dass keine Waage vorhanden war. Also ab aufs Förderband, wo noch weitere Angaben eingegeben und bestätigt werden mussten. Und da war sie, die Waage, und mass 24,4 kg für meinen Koffer, und keine freundliche Ground-Hostess am Schalter, die wegen den paar Gramm mehr ein Auge zudrücken würde. Nein, die Waage verlangte unerbittlich maximal 23 kg, oder umpacken, oder 50$ Übergepäckgebühr zahlen! Aus lauter Frust drückte ich die 50$-Taste, doch ich hatte wohl zu lange überlegt und der Vorgang wurde abgebrochen. So verzog ich mich in eine Ecke und überlegte, was ich noch alles Gewichtiges vom Koffer in den Rucksack umtischen könnte. Da waren noch zwei Bücher, Prospekte sind in der Menge auch schwer, sowie ein wertvoller Bumerang. Mein Rucksack war nun zum Bersten voll, mehr ging nicht mehr rein. Zurück zur Waage, die Spannung stieg. Der Zähler blieb bei 22,9 kg stehen, uff! Die Abfertigung wurde akzeptiert, der Koffer verschwand auf dem Förderband. Irgendwo im Hintergrund hörte ich nebenbei, dass bei einem Qantas-Flug aus Sydney kein Gepäck mitgekommen war, am Service-Schalter gabs deswegen eine lange Schlange, die Armen, dachte ich nur so… Nun kam noch das Kunststück des Auspackens des Rucksacks bei der Security, doch das war schon fast Routine. Am Gate wartete schon der Qantas-Airbus nach Melbourne, in dreieinhalb Stunden und drei Zeitzonen weiter sollten wir dort sein. Will heissen, Abflug 10.00, dreieinhalb Stunden unterwegs, Ankunft 16.35 und der Tag ist gelaufen… Ruhiger Flug über einen riesigen Teppich von Schäfchenwolken und über die südliche Ecke Australiens zwischen Adelaide und Melbourne, dort pünktliche Landung. Nun warteten alle am Gepäckband auf die Koffer, doch es kamen erst nur ein paar wenige Taschen. Irgendwie meinte ich, meinen Namen in einer Durchsage gehört zu haben und begab mich langsam Richtung Serviceschalter. Dann kam die allgemeine Durchsage, dass bei unserem Flug nicht alles Gepäck mitgekommen sei und man sich zu eben diesem Schalter für weitere Infos begeben solle. Da ich praktisch schon dort war, war ich Nr. 3 in der langen Schlange, die sich nun bildete. 85 Koffer seien zurückgeblieben (wie schafft man das?) und es folgte die Prozedur, die ich schon vom Gepäckverlust meines Vaters damals in Göteborg her kannte. Diesmal bin ich aber stationär und die Chance, dass das Gepäck noch heute ins Hotel nachgeliefert würde, sei gut, meinte die Frau am Schalter und vermerkte noch auf dem Formular, dass ich Tennis gucken ginge (was das für einen Einfluss haben sollte ist mir zwar schleierhaft). Wir erhielten alle noch einen Beutel mit den nötigsten Sachen, dann fuhr ich mit dem Skybus ins Stadtzentrum. Zu Fuss zum Hotel, ohne einen Koffer nachschleppen zu müssen geht auch besser… Ich bekam mein Zimmer im 10. Stock des Atlantis-Hotels, mit Blick auf den Bahnhof Southern Cross, allerdings über eine Baustelle hinweg. Nun versuchte ich mal, Strategien zu entwickeln, wie es weitergehen sollte. Dank der Umpackerei im Vorfeld war im grossen Koffer nichts mehr Wichtiges, nur dreckige Wäsche. Doch, das ganze Toilettenzeugs war noch drin, und alle meine Ladekabel für Fotoapparate, Handy, Laptop. Und Schweizer Fahne und T-Shirts, die ich morgen zum Federer-Match anziehen wollte, so kamen doch ein paar wichtige Sachen zusammen, die nun fehlten. Ich beschloss, Qantas eine Chance bis morgen Vormittag zu geben und mich schon mal nach Alternativen umzuschauen. Tennis gucken morgen sollte mit den vorhandenen Kleidern kein Problem sein, ausserdem könnte ich mir Sonnenhut und T-Shirts an den Australian Open kaufen. Und in der Strasse vor meinem Hotel hat es mindestens zwei Elektronikläden, wo man neue Ladekabel bekäme, bis dahin wird einfach ein wenig Strom gespart. Ich ging dann mal hinunter an den Yarra River, wo es eine Flaniermeile mit vielen Restaurants hat und gönnte mir in einem davon ein feines Steak mit einheimischem Bier. Es fiel direkt auf, dass hier die Sonne zeitlich etwas später untergeht als im Westen und es danach auch noch länger hell bleibt. Wetter übrigens gut, auch am Abend noch lau. Während meinem Flug hatte Belinda Bencic bereits ihr Erstrundenspiel gegen keine geringere als Venus Williams gewonnen. So ist die Chance gross, dass ich sie am Mittwoch spielen sehe. Nach dem Znacht noch Lebensmittel-Einkauf in einem 7eleven beim Bahnhof. Zurück im Hotel fragte ich mal an der Reception, ob schon was angekommen sei, leider nicht, aber es sei unterwegs, Qantas habe angerufen. Ich ging hoch, schaute Fernsehen und wartete. Und tatsächlich: Zehn Minuten vor Mitternacht läutete das Telefon und ich konnte meinen Koffer an der Reception in Empfang nehmen. Nun wären wir also komplett, dank Zeitverschiebung bin ich noch gar nicht müde, doch gehe ich jetzt in meinem neuen Qantas-Pijama, das ich im Ersatzbeutel vorfand, schlafen.

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