Heute früh breche ich zu einer längeren Reise Richtung Osten auf. Erstes Ziel ist Graz, ab Zürich benütze ich dazu den einzigen direkten Tageszug ab der Schweiz, den EC163 Transalpin dorthin, und zwar mit besonderem Grund: Noch bis Sonntag wird dieser Zug wegen Bauarbeiten von der direkten Strecke durchs Ennstal weg via die Tauernstrecke umgeleitet, ein spezieller Laufweg, der nicht nur die Arlberg- und Tauernrampen beinhaltet, sondern in der Folge auch noch den Weg über eine Nebenstrecke ab Villach entlang des Ossiacher Sees, dies zur Umfahrung von Klagenfurt. Nachteil der ganzen Geschichte: das gibt eine sehr lange Fahrt, 11 Stunden ab Zürich, wohin ich frühmorgens auch erst noch gelangen muss. Dafür freue ich mich auf meinen reservierten Sitzplatz im Panoramawagen, welcher dieser Zug noch führt, verpflegen werde ich mich aus dem Speisewagen. Um nicht schon zu Beginn in Reisestress zu geraten, nehme ich um 06.17 ab Uttigen eine S-Bahn früher als nötig, hole mir in Bern in der Welle 7 noch leichten Notproviant in Form eines Sandwichs und natürlich auch Kaffee. Mit dem halbleeren Zwischentakt-IC gehts weiter nach Zürich, kurz nach Abfahrt in Bern wird mir mitgeteilt, dass der Spiesewagen im Transalpin fehlen wird, zum Glück habe ich noch das Sandwich gekauft. In Zürich kann ich gleich am selben Perron bleiben. Doch als etwas später der Transalpin in die Halle geschoben wird, fehlt leider auch das Objekt meiner Begierde im Zugverband, statt dem Panoramawagen ist ein normaler Erstklasswagen eingereiht. Die automatische Platzreservation hat mich leider als Alleinreisenden in ein Viererabteil gebucht, und da der Ersatzwagen voll ausreserviert ist, habe ich auch keine Möglichkeit, mir Alternativen in Form von freien Sitzplätzen zu suchen, kein Wunder, führt doch dieser internationale Zug ganze anderthalb Erstklasswagen!. Also verschlaufe ich mich halt im angebotenen Viererabteil, welches sich ab Feldkirch ganz füllt, wie natürlich auch der vollständige Wagen. Ab Innsbruck wechseln dann einige Passagiere auf raschere Alternativverbindungen Richtung Graz, und spätestens ab Wörgl ist es nicht mehr wirklich voll und das Reisen wird langsam zum Genuss. Bei der Spitzkehre in Schwarzach-St. Veit umfährt unsere Lok den Zug, und für dem nachfolgenden Abschnitt über die Tauernrampen und entlang dem Ossiacher See sitze ich nun auf der Sonnseite und geniesse die Fahrt, die recht pünktlich verläuft. Knapp eine Stunde vor Ankunft in Graz beginnt dann die Dämmerung, wir sind immer noch pünktlich unterwegs – bis zum Einfahrsignal von Graz Hbf, wo der Zug über fünf Minuten rumsteht, weil erst noch zwei andere Züge ausfahren müssen. Schade, der Bahnhof hätte um diese Zeit meines laienhaften Erachtens genügend freie Gleise gehabt. Genau elf Stunden nach Abfahrt Zürich hält der Transalpin in Graz im Gleis 3 an. Zum Glück habe ich keinen langen Weg mehr zur Unterkunft vor mir, das Hotel Daniel steht nämlich gerade zum Haupteingang raus rechts vom Bahnhofgebäude. Ich bekomme ein angenehmes Zimmer mit entferntem Gleisblick, räume rasch ein, und weil ich Hunger habe und nicht mehr lange suchen will, gibts zum Abschluss des langen Reisetages gleich im Restaurant des Hotels noch einen prächtigen Burger mit einem ersten Gösser. Nach dem Znacht gehts dann nochmals kurz um die Ecke an den Bahnhof zur Begutachtung des für uns recht exotischen Nachtzuges nach Split. (Bilder und weitere Tagesberichte folgen)
Donnerstag 04.09.2025 – quer durch die Vogesen
Nach dem Auschecken im Hotel holte ich mir über die Strasse im Einkaufszentrum bei einem Bäcker noch Kaffee und Brötli, um zehn nach Neun fuhr dann der RegioExpress nach Bettembourg, wo ich nach kurzer Fahrt eintraf. Von hier bis Luxembourg ist bekanntlich die Hauptstrecke wegen Bauarbeiten längere Zeit gesperrt, was mich zu diesem Umfahren der Hauptstadt überhaupt veranlasste.


Nun war ich aber wieder auf Kurs und bestieg einen französischen Doppelstöcker, der mich in einer guten Stunde nach Nancy brachte. Hier folgte eine kleine Mittagspause, da der direkte Anschlusszug, weil von Paris kommend, ausserhalb des üblichen Takts bereits vor meiner Ankunft losgefahren ist. Macht auch nichts, denn der hätte noch Platzreservationszwang gehabt. Ausserdem hatte ich ja Zeit. Nach einem feinen Sandwich in der Bahnhofshalle bestieg ich den nächsten TER, der die Strecke rüber nach Strassburg, immerhin auch noch 150km, unter die Räder nahm. Man hätte von Metz auch mit weniger Zeitaufwand direkt nach Strassburg fahren können, doch diese Strecke stand bereits vor zwei Jahren auf meinem Reiseplan. So ging es nun diesmal quer durch die Vogesen an den Rhein nach Strassburg. Interessant an dieser Strecke ist der Abschnitt bei Arzviller, wo für gut zwei Kilometer neben dem Bahntunnel auch noch ein Kanal in einem Tunnel eine Anhöhe durchsticht! Auch im weiteren Verlauf führt die Strecke noch einige Kilometer entlang von Kanälen, die aber nur noch von der Hobbyschifffahrt befahren werden.

In Strassburg gabs direkt am selben Perron Anschluss auf den TER nach Basel, der noch aus den bequemen früheren Corail-Wagen der SNCF bestand. So machte ich es mir für die Fahrt in die Heimat noch mal im Wohnzimmerlook der 80er Jahre gemütlich. Weiter mit einem IC nach Bern, wo ich gleich bis Thun sitzen blieb, um dort im Coop am Bahnhof noch paar überlebenswichtige Einkäufe zu tätigen, da mich zuhause sonst ein weitgehend leerer Kühlschrank erwartete. Seit Strassburg war die Wolkendecke immer düsterer geworden und es bestand nun die Gefahr, dass ich nicht mehr trocken bis nach Hause kommen würde. Als ich in Uttigen ausstieg, tröpfelte es bereits, doch ich schaffte es knapp, trotz zunehmender Intensität des Regens, nach Hause zu gelangen, ohne dass ich jetzt noch den Regenschutz hervorkramen musste. Wenig später nach dem Regen beendete dann eine schaurig schöne Abendbeleuchtung meinen letzten Reisetag.

Kleine Statistik, berechnet von viaduct.world :
Total gefahrene Kilometer: 3531 km
sowie einge nicht registrierte mit Metro Rotterdam und Tram Antwerpen
Total Dauer der Zugfahrten: 47 Std 42 Min
Der nächste Ausflug ist schon in Planung, da ich nur noch dieses Jahr die vollständige Auswahl an Freifahrscheinen habe, möchte ich davon natürlich noch ein wenig profitieren werden wollen….
Mittwoch 03.09.2025 – quer durch die Ardennen
Ich genoss heute noch ein wenig das feine Hotelzimmer und schlief aus, holte dann im Supermarkt gleich nebenan noch etwas Reiseproviant. Gegen elf Uhr gings dann langsam aber sicher wieder Richtung Heimat. Da in Luxemburg die Hauptsrecke zwischen der Hauptstadt und Bettembourg längere Zeit baubedingt gesperrt ist und ich nicht Ersatzbus fahren mochte, habe ich halt ein wenig etappiert und plante noch eine Übernachtung nahe Esch-sur-Alzette ein, so dass ich quasi durch die Hintertür ins Grossherzogtum einfahren würde. Der IC nach Brüssel startete kurz vor elf Uhr wieder im Keller des Hauptbahnhofs von Antwerpen. Wieder stieg ich bereits in Bruxelles Nord um in einen IC nach Luxembourg. Das Praktische in der App der SNCB (wie auch in derjenigen der NS) ist, dass die Formation der Züge mit den entsprechenden Wagentypen als Bildli angezeigt wird, da könnte auch die SBB-App noch was davon lernen! Ich stieg im letzten Wagen ein und hatte mich dort im Oberdeck schon auf einen bestimmten Platz mit Tischli und Stecker fixiert. Erst als ich mich für die doch lange Fahrt von 2 Std 40’ eingerichtet hatte, erblickte ich zwei Abteile weiter vorne eine Horde Fussballfans, verteilt auf zwei Abteile, in einem dritten Abteil hatten sie eine Fahne mit einer mir unbekannten Darstellung montiert. Sie sprachen ziemlich laut in einer komischen Sprache, die für mich ein Mix aus Holländisch/Flämisch und Englisch tönte. Sonst verhielten sie sich recht anständig, Bier wurde fast keines getrunken, ich sah nur zwei Büchsen, der Rest waren sonstige Energy- und Powerdrinks, gut, man weiss nicht, was wirklich in den Flaschen war… Erst dachte ich an Flucht, dann fand ich, die werden sich dann schon beruhigen und forschte mal nach, wo da in der Nähe mitten in der Woche ein Fussballspiel stattfinden könnte. Belgische Meisterschaft war nix, Europäisch spielten sie auch erst in der nächsten Woche. Schliesslich fand ich raus, dass am nächsten Tag in Luxembourg ein Länderspiel gegen Nordirland stattfinden sollte, und jetzt begriff ich auch das Layout der Fahne: Das waren Nordirische Fans, die nun also bis zur Endstation in diesem Zug mitfahren würden. Als dieser sich zu füllen begann, entfernten sie immerhin die Flagge im sonst freien Abteil. Doch ihr Redefluss wurde nicht weniger oder leiser (das waren wohl die Energydrinks), also setzte ich Ohrstöpsel ein und genoss die grüne Landschaft der Ardennen bei diesigem Wetter.

Obwohl der Zug durch mehrere Bau- und Langsamfahrstellen fuhr, war er in den Zwischenstationen jeweils rechtzeitig, da hat man wohl genügend Pufferzeit eingerechnet. Ich stieg in Arlon aus, dem letzten Halt auf belgischem Boden vor Luxemburg. Von hier gings noch eine Viertelstunde mit einem Lokalzug nach Athus am Dreiländereck Belgien/Frankreich/Luxembourg.

Hier hat man mit CFL-Zügen im Halbstundentakt Anschluss Richtung Luxembourg, die Grenze überquert man gleich auf der Ausfahrt, mitten in einem Containerterminal. Und da hier im ganzen Land der komplette öV gratis ist, brauchte ich für die CFL auch keinen Freifahrschein. In Pétange stieg ich erneut um, da eine Weiterfahrt nach Luxemburg ja bekanntlich in eine Sackgasse führen würde. Mit direktem Anschluss fuhr ich weiter Richtung Esch-sur-Alzette, stieg aber schon eine Station früher in Belval-Université aus. Hier hatte ich bei meinem letzten Besuch vor drei Jahren einen weitläufigen Rangierbahnhof geortet, zufällig war hier gleich am Bahnhof auch ein Hotel verfügbar, denn in der Umgebung und in den bestehenden Gebäuden eines aufgelassenen Stahlwerks hat sich die Wissenschafts- und Techniksparte der Universität Luxembourg eingerichtet, was das ganze Quartier zu neuem Leben erweckt hat, inklusive Einkaufszentrum und neuem Bahnhof. Da ich hier mitten im Nachmittag eingetroffen bin, hatte ich nun noch genügend Zeit, die Umgebung zu erkunden, die Sonne hatte sich inzwischen auch wieder zurückgemeldet. Von der Fussgängerüberführung zum Perron konnte man die Zufahrt zum Rangierbahnhof, der ein noch aktives Stahlwerk von Arcelor-Mittal gleich nebenan bedient, gut einsehen. Allerdings war gerade nicht viel los. Nach einem kleinen Bahnhofrundgang wollte ich deshalb mal das Universitätsgelände erkunden, entdeckte aber dann was Attraktiveres. Man hat nämlich entlang der Gleise genau zwischen Stahlwerk und dem Rangierbahnhof eine über 1,5 km lange Velo- und Fussgängerbrücke errichtet, genannt Velodukt.


Von dort oben aus hat man beste Aussicht auf den Rangierbetrieb, Lokdepots und die Zufahrt zum Stahlwerk. Man musste zwar etwas aufpassen, denn auf der langen Geraden der Brücke hat die örtliche Dorfjugend Rennen mit Elektroscootern veranstaltet, doch zum Glück ist der Fussgängerweg gleisseitig angeordnet, so dass ich dort in Ruhe fotografieren konnte. Denn es tat sich nämlich nun etwas unten auf den Gleisen, verschiedene Rangiergruppen verstellten leere und beladene Wagen, im angenehmen Abendlicht gabs nun einiges zu föttelen. Ich lief die Brücke bis zu ihrem Ende und wieder zurück, dann noch kurz durchs Universitätsareal, bevor es in einem Restaurant des Einkaufszentrums noch ein feines Abschlussznacht gab.

Dienstag 02.09.2025 – Hafenrundfahrt, die zweite
Da auch für heute gutes Wetter angesagt war, buchte ich mir gestern auch hier in Antwerpen eine Hafenrundfahrt, wieder mit Glück, denn die werden nun unter der Woche nur dienstags und donnerstags angeboten. Die Anlegestelle des Schiffs erreichte ich bequem mit dem Tram, und bei sonnigem Wetter konnte ich auf dem obersten Deck mit guter Rundumsicht Platz nehmen. Die Verhältnisse im Antwerpner Hafen sind natürlich nicht so grosszügig wie in Rotterdam, dazu kommt noch eine Grossbaustelle für einen Unterwasser-Strassentunnel für die Hafenumfahrung, die aktuell einen Teil der Verbindungskanäle zusätzlich einengt und streckenweise sozusagen „Einspurbetrieb“ für die Schiffe erfordert. Ausserdem hat es im Gegensatz zu Rotterdam viele Klappbrücken zwischen den Hafenbecken.

So passierten wir schon ein paar hundert Meter nach dem Ablegen die erste Klappbrücke, um dann in der anschliessenden Ausweiche erst mal eine Zeit lang den Gegenverkehr passieren zu lassen. Für den Strassentunnel wird der Boden planiert, dann werden Tunnelelemente aus Beton platziert und zusammengesetzt und am Schluss das ganze wieder geflutet. Leider steht momentan auch das Havenhuis, eines der bekanntesten Gebäude Antwerpens, ein altehrwürdiger Bau der Hafenverwaltung mit einem modernen Aufsatz der Architektin Zaha Hadid praktisch unerreichbar mitten in dieser Baustelle.

Unser Schiff, die Flandria 24, konnte nun zügig weiterfahren, bis zur nächsten Klappbrücke. Wir passierten auf der Fahrt insgesamt fünf solcher Ungetüme, davon eine auf der Hin- und Rückfahrt. Auch hier sind die verschiedenen Kais jeweils auf ein bestimmtes Ladegut ausgerichtet. Beispielsweise für exotische Früchte, da wurden dann ausnahmslos Kühlcontainer abgefertigt. Weiter draussen stehen zwei riesige Raffinerien, die zum Teil durch Pipelines vom Hafen Rotterdam her versorgt werden. Auch hier jeweils separate Kais und Tanklager für Oel, Benzin, Kerosin, (Flüssig-)Gas usw. So konnte ich sehr wahrscheinlich auch die Anlage erkennen, wo jeweils unsere Gaszüge zur Lonza in Visp verladen werden. Auch diese Rundfahrt erlaubte wieder einen eindrucksvollen Blick in die Hafenlogistik und dauerte wegen der Verzögerungen, dann noch fast eine Stunde länger als geplant, aber ich hatte ja Zeit…

Gegen Ende kamen wir wieder am Havenhuis vorbei und quetschten uns noch mal durch den Baustellen-Engpass zurück ins Asiadock, wo das Schiff anlegte. Da der Nachmittag erst angebrochen war, versuchte ich nun noch mit Tram und zu Fuss zum Havenhuis zu gelangen. Doch auch die Tramlinie, die dort wendet ist unterbrochen und zu Fuss kam ich nur bis etwa 200m ans Gebäude heran, dort war alles abgesperrt. So kam ich dann im einsetzenden Regen dafür noch an einem weiteren markanten Gebäude vorbei, dem MAS – Museum aan de Stroom, eine Art Wissenschaftsmuseum, das von aussen gut aussieht, aber schon geschlossen hatte.


Gegenüber meinem Hotel liegt der Eingang zur Chinatown, mit einem markanten Tor. Dort hinaus kommt jeweils die Tramlinie 1, wendet auf dem Bahnhofplatz und verschwindet dann einen Block neben Chinatown wieder in einer engen Gasse. Diese Linie wollte ich jetzt zum Abschluss des Nachmittags noch befahren, einmal mit dem Tram durch Chinatown. Zuerst kam allerdings nichts, gemäss Online-Fahrplan alles unbestimmt verspätet. Irgendwann folgte dann ein Einsatzfahrzeug von de Lijn mit einem leeren Tram im virtuellen Schlepptau, das ging erst mal ins Ausweichgleis in Warteposition. Wenig später folgte dann ein normaler Kurs, den ich bestieg. In der Folge kann ich mir gut vorstellen, dass die Linie 12 der Alptraum von Antwerpens TramfahrerInnen sein könnte. Die Strecke führt meist einspurig durch enge Gassen und Kurven der Altstadt, wobei sich die Richtungsgleise an zwei Stellen überschneiden. Oft stehen unpassend abgestellte Strassenfahrzeuge im Weg. Im weiteren Verlauf liegen die Gleise dann mitten auf einer viel befahrenen Ausfallstrasse wo nun gegen Abend viel Stau war und es offenbar keine Ampeln mit Vorzugsschaltung fürs Tram gibt. Würde auch nicht viel nützen, denn auf den Kreuzungen stand auch der Stau des Querverkehrs auf den Gleisen. Die Linie endet in einer provisorischen Haltestelle namens Schijnport, wo die Zweirichtungswagen über eine Verbindungsweiche aufs Gleis der Gegenrichtung wechseln können. Dann geht’s wieder zurück ins Getümmel, und am Schluss schliesslich mitten durch Chinatown auf den Bahnhofplatz.
Zum Abschluss meines Aufenthalts gönnte ich mir dann noch draussen im Gärtli bei einem Argentinier ein feines Stück Fleisch. Den Schlummertrunk gabs in der Hotelbar, denn auch hier bekam ich dank weglassen eines Zimmerreinigungstages einen Bonusdrink.
Montag 01.09.2025 – Kusttram
Nun war es tatsächlich so, dass die meisten Museumsbahnen in Holland und Belgien mit diesem Wochenende ihre Hauptsaison beendeten oder zumindest nicht mehr unter der Woche verkehren. In Belgien ist die Auswahl eh nicht sehr gross, aber es gäbe da noch das Eisenbahnmuseum Train World Schaerbeek, welches allerdings genau ab heute 01. September fast den ganzen Monat geschlossen bleibt. Da der Wetterbericht für Montag wieder viel besser aussah, beschloss ich deshalb, nochmals an die Küste zu fahren, zumal es ab Antwerpen stündlich direkte Züge nach De Panne gibt, einem mir sehr bekannten Ort fast an der Grenze zu Frankreich. Folglich bestieg ich am Morgen in der obersten Etage des Bahnhofs den Intercity, welcher mich etwas mehr als 2 Stunden Fahrt über Gent nach De Panne brachte. Und Richtung Meer wurde das Wetter immer wie besser!


In De Panne gibt es perrongleich direkten Anschluss an das Kusttram, eine Tramlinie, die fast der ganzen belgischen Küste entlang bis nach Knokke führt. Ich besteig den nächsten Kurs und liess mich gemütlich durch die mondänen Küstenstädtchen und die Dünen schaukeln, denn oft hat man da vom Tram aus beste Aussicht auf die Strände!

Zwischendurch führt die Linie aber auch wieder vom Strand weg durch die Ortschaften. Kurz nach Oostende machte ich bei Bredene einen kleinen Zwischenhalt, um rasch an den Strand hinunter zu gehen. Mit dem übernächsten Kurs gings weiter über Blankenberge noch bis Zeebrügge Stationswijk. Den letzten kleinen Rest bis Knokke schenkte ich mir, den kannte ich eh schon von früher. Wenige hundert Meter von der Tramstation liegt der Bahnhof Zeebrugge Dorp mitten in den ausgedehnten Gleisanlagen des Hafens von Zeebrugge. Er ist Ausgangspunkt für stündliche RegioExpresszüge nach Mechelen, das etwa auf halbem Weg zwischen Brüssel und Antwerpen liegt. Im Umfeld des Hafens Zeebrugge hat es drei kurze Stichstrecken, welche alle in Brugge, wenige Kilometer von der Küste weg, zusammenkommen. Zwei davon, nämlich die nach Knokke und Blankenberge hatte ich schon bei einem früheren Besuch des Kusttrams befahren, es fehlte also noch diejenige nach Zeebrugge Dorp. Doch zuerst holte ich mir in einer nahen Bäckerei noch ein lecker Fischbrötchen, denn ich hatte bis zur nächsten Zugsabfahrt noch genügend Zeit für eine Mittagspause auf dem lauschigen und mit Picknickbänken ausgerüsteten Bahnhofsvorplatz. Kurz nach 14 Uhr startete der RegioExpress dann Richtung Brugge und Gent, von wo aus er bis Mechelen dann wohl jede Station bediente. Der Bahnhof von Mechelen ist momentan eine Grossbaustelle und erhält unter anderem weit geschwungene weisse Perrondächer, ähnlich denjenigen, die ich gestern in Lüttich gesehen hatte. Für den kurzen Restweg zurück nach Antwerpen war dann noch einer der vielen Intercitys zuständig, die auf dieser Strecke verkehren.
Sonntag 31.08.2025 – Transfer über Umwege
Heute gehts weiter nach Antwerpen. Nun könnte ich natürlich einen direkten IC dorthin nehmen und in 45 Minuten drüben in Belgien sein. Allerdings habe ich den ganzen Tag Zeit und noch einiges auf der Liste. Zuerst verabschiede ich mich aber aus dem sehr praktisch gelegenen Hotel ibis und besteige im nahen Bahnhof Blaak einen Sprinter (Regio) zum Hauptbahnhof. Hier hole ich mir in der Unterführung noch was zum Zmorge, dann besteige ich einen Intercity nach Eindhoven, von wo es mit Umsteigen weiter nach Maastricht geht. Von der Küste fahre ich also erst mal quer durch den Süden der Niederlande in den Zipfel, umgeben von Deutschland und Belgien, wo fast ganz zuhinterst Maastricht liegt. Das wuchtige Bahnhofsgebäude kontrastiert mit den modernen Triebzügen verschiedenster Art, die vor dem Haus rumstehen.


Der Lokale Grenzverkehr nach Lüttich in Belgien wird hier von Arriva betrieben, die mit dem „Dreiländerzug“ von Aachen (D) her über Maastricht (NL) bis nach Lüttich (B) fährt. Für diese Bahngesellschaft gibts keinen Freifahrschein, doch für die kurze Strecke konnte ich aber problemlos ein Billett für etwa 7€ in der NS-App lösen. Mit einem dreiteiligen Flirt, der auch alle Stromsysteme der beteiligten Länder beherrscht, gehts die 30 km der Maas entlang nach Lüttich/Liège. Höhepunkt ist die Einfahrt in die luftig helle moderne Bahnhofshalle von Liège Guillemins, mit ein Grund, wieso ich diesen Weg wählte. Während einer Stunde Mittagspause kann ich nun die Architektur von Santiago Calatrava mal etwas näher begutachten.

Dann gehts wieder westwärts und zwar mit einem Intercity nach Brüssel, wobei ich bereits in Brüssel Nord umsteige auf einen Zug nach Antwerpen. Dieser macht noch eine Schlaufe via Flughafen, um danach nordwärts nach etwa 45 Minuten Antwerpen Centraal zu erreichen. Auch hier die Bahnhofhalle imposant, jedoch auf ganz andere Art: In dem ehemaligen Kopfbahnhof hat es nämlich nun Gleise auf drei Ebenen, zuunterst vier Durchgangsgleise von und zu den Hochgeschwindigkeitsstrecken Brüssel-Rotterdam, darüber und bis unters Hallendach auf zwei Ebenen Kopfgleise für den Lokalverkehr. In der Mitte der Halle die Rolltreppen zur Zirkulation zwischen den verschiedenen Etagen, von hier aus kann man also gut Züge übereinander auf drei Stockwerken beobachten. Für einmal habe ich hier nicht ein ibis-Hotel gebucht, denn das eine liegt etwas peripher abseits des Bahnhofs, dafür fand ich direkt am Bahnhofplatz ein Indigo-Hotel, in welchem ich mich nun für drei Tage einquartiere. Direkt nebenan ein kleiner Supermarkt für die tägliche Versorgung, und um die Ecke in der Fussgängerzone mehrere Restaurants mit Aussensitzplätzen. Ich bekomme ein Zimmer mit Bahnhofplatzsicht, auch ein wenig Tramverkehr hat es hier, der stört aber nicht. Nachtessen gibt’s beim Italiener um die Ecke, wegen einsetzendem Regenwetter leider eher drinnen als draussen.
Samstag 30.08.2025 – Hafenrundfahrt, die erste
Für heute war wieder viel besseres Wetter vorausgesagt, und so buchte ich gestern noch eine Hafenrundfahrt in ausgedehnter Version. Diese werden nur samstags angeboten und dauern doppelt so lange, nämlich fast drei Stunden, wie die täglichen Rundfahrten. Vom Hotel aus erreichte ich zu Fuss entlang dem alten Hafen in einer Viertelstunde die Anlegestelle der Spido-Hafenrundfahrten am Willemsplein bei der Erasmusbrücke. Von dort gings mit dem Schiff die Niuwe Maas hinunter. In fast jedem Hafenbecken gabs was anderes zu sehen, Arbeitsplattformen für Offshore-Windparks, Kabelverlegeschiffe, Kühlcontainerdocks, Tanklager und vieles mehr. Jeder Kai diente einer anderen Güter-Art als Umschlagplattform.

Dazwischen, an bevorzugter Position zuvorderst in den Ecken, wo die Hafenbecken in die Niuwe Maas münden, Herrenhäuser ehemaliger Reedereien oder Hauptsitze bekannter Logistikfirmen mit viel Umschwung. Gelbe Towers markieren die Aussenstellen der Hafenverkehrsleitzentrale, denn es gibt hier viel Verkehr zu regeln, vom grossen Pott bis zum Flussschiff. Interessant der Waalhaven, Ziel vieler Containerzüge, die bei uns durch den Lötschberg fahren. Wir erfuhren, dass hier nur der Nah- und Binnenverkehr verteilt wird, die gaaanz grossen Containerschiffe legen draussen an der Maasvlakte 2 an einem erst kürzlich erstellten Tiefwasserhafen weit draussen an der Mündung der Maas. Soweit hinaus sind wir nicht gefahren, separate Touren dort draussen bleiben aber auf meiner Liste, denn dort solls noch weitere Attraktionen geben. Zurück am Willemsplein gabs nach den vielen Eindrücken erst mal einen Ceasars Salad zum Hunger stillen. Die Sonne wärmte weiter, und so entschloss ich mich, Maasvlakte 2 immerhin aus der Ferne zu begutachten. Dazu bzw. dorthin nahm ich die Metro-Linie B, welche nach verlassen der Tunnelstrecke in der Innenstadt auf der Trasse der früheren konventionellen Eisenbahnlinie nach Hoek van Holland raus führt. In jungen Jahren war ich schon mal dort draussen, angekommen mit einem Nachtzug von München. Damals gabs ab Hoek van Holland noch regelmässige Fährverbindungen Richtung England, die ich wohl auch einmal genutzt habe. Heute führt die Metro über den früheren Bahnhof Hoek van Holland Haven, wo etwas abseits noch die ursprünglichen Bahnhofgebäude stehen, noch etwas weiter bis an den Strand, also Hoek van Holland Strand, gleich an der Mündung der Miuwe Maas.
Gegenüber auf der anderen Flussseite ist dann die Ausfahrt aus dem Hafen Maasvlakte, und ich brauchte nicht lange zu warten, bis da tatsächlich ein riesiges Containerschiff daherkam und sich in den dichten Verkehr Richtung offenes Meer einreihte. Eindrücklich auch die unterschiedlichen Geschwindigkeiten der verschiedenen Schiffe, die kleinen flinken überholen die grossen trägen. Ich machte einen ausgedehnten Spaziergang entlang des belebten Strands, badete kurz die Schuhe, für die Füsse wars mir zu kalt. Man könnte hier auch kleine Ferienschachteln mieten und länger verweilen und den Schiffen zusehen…
Nach etwa zwei Stunden Meeresluft schnuppern und Sonne geniessen, stieg ich wieder in die Metro, fuhr damit noch bis zum anderen Ende der Linie B im Niemandsland, dann zurück in die Stadt, wo es im alten Hafen bei Vader Kleinjan noch ein feines Abschlussznacht gab. Im Hotel war dann Packen angesagt, morgen ist Transfertag.
Freitag 29.08.2025 – Erholungstag
Im Hotel gibt es eine Aktion für mehrtägige Aufenthalter: Einen Tag das Zimmer nicht putzen zu lassen gibt einen Gratisdrink an der Hotelbar. Diesen Tag zog ich heute ein. Da ich nun paarmal fahrplantechnisch jeweils relativ früh rausmusste, war heute sowieso Ausschlafen und Müssiggang geplant, also platzierte ich das dafür vorgesehene Schild aussen an meine Zimmertür und liess es Mittag werden. Da hing dann tatsächlich ein Gutschein für den Gratisdrink an der Türfalle. Nun war sowieso Schlechtwetterprogramm angesagt, denn es regnete ziemlich. In der Hotellobby steht ein Gestell mit Gutscheinkärtchen für viele verschiedene Attraktionen, dabei ist mir sofort das Kärtchen für die MiniWorld Rotterdam aufgefallen. Sie befindet sich nur etwa fünf Minuten Fussweg vom Hauptbahnhof entfernt. Verwöhnt vom MiWuLa Hamburg dachte ich, man kann ja mal schauen gehen. Ich wurde positiv überrascht und blieb fast zwei Stunden dort, denn die riesige Anlage, auf welcher die Niederlande vom Meer bis ins Hinterland im Modell dargestellt wird, entpuppte sich in ihrer Vielfalt, Ideenreichtum für Details und Authentizität fast wie ein kleiner Ableger/Filiale des Hamburger Miniaturwunderlands, in welchem es (noch) keine Abteilung Holland gibt. Im Keller des Gebäudes wird gegenwärtig noch an Grossbritannien gebaut, auch wenn es noch eine Baustelle ist, enttäuschte dieses Layout ausser dem Modell eines Fragments der grandiosen Firth of Forth-Bridge doch ziemlich. Also wieder hoch und in Holland noch mal zwei Runden gedreht, bis ich meinte, auch die letzten interessanten Details entdeckt zu haben.
Zurück an der frischen Luft hatte es inzwischen aufgeklart, und so machte das Lust auf ein wenig Stadtrundfahrt per Tram. Schon früher war mir aufgefallen, dass relativ wenige Trams unterwegs sind. Doch erst jetzt bei näherem Hinsehen wurde mir die ganze Misere bewusst. Wegen Bauarbeiten auf einem zentralen Platz mit eigenem Tramkreisel, wo mehrere Linien durchkommen, sind aktuell nur etwa ein Drittel aller Tramlinien in Betrieb, und weil diese Woche hier noch Sommerferien sind, wird zusätzlich reduziert gefahren, was pro funktionierender Linie nur gerade einen Viertelstundentakt ergibt. So kommt man natürlich nicht vorwärts. Also liess ich das bleiben und schlenderte dafür durch die grosse Fussgängerzone wieder hinunter zum alten Hafen. Das fürs Znacht angepeilte Hawaiianische Restaurant entpuppte sich dann zwar als Schnellfressbude, die verschiedenen Bowls, die man sich analog Subway selber nach Belieben zusammenstellen konnte, schmeckten allerdings sehr lecker!
Donnerstag 28.08.2025 – Stoomtram Hoorn-Medemblik
Heute gings wieder ans Wasser, besser gesagt ans Ijsselmeer. Zum Schluss war nämlich noch eine der bekanntesten Museumsbahnen der Niederlande an der Reihe, das Stoomtram Hoorn-Medemblik. Es ist eine Art Überland-Tramlinie auf Normalspur, welche aber mit kleinen Dampfloks betrieben wird. Auch hier gehts meist geradeaus, doch gibt es wegen der vielen Wasserläufe, denen entlang gefahren wird, auch ab und zu recht enge Kurven. Mit Umsteigen in einem Vorstadtbahnhof von Amsterdam erreichte ich Hoorn, wo sich die Museumsbahn im hinteren Bahnhofbereich eingerichtet hat, inklusive einem eigenen Stellwerkturm mit mechanischem Stellwerk. Diese Bahn ist mehr auf Bustouristen ausgerichtet, als auf mit der grossen Bahn eintreffende Interessierte. Dafür kann man aus mehreren Varianten der Fahrt auswählen: Hin und zurück mit der Bahn (was auch ich wählte), hin mit der Bahn und zurück mit einem Schiff nach Enkhuisen oder umgekehrt zuerst Schiff, dann Bahn. Unsere kleine schnucklige zweiachsige Dampflok kämpfte mit insgesamt 12 zweiachsigen Wagen, die meisten davon wieder ehemalige Österreicher. Der Zug führte ausserdem einen Flachwagen als Velowagen mit, der über eine speziell konstruierte Rampe vom Boden aus beladen werden konnte. Die Bahn hat in früheren Zeiten auch schon alte Schweizer Fahrzeuge eingesetzt, einige wurden später zurückgeholt, von den übrigen habe ich bei meinem Besuch keines angetroffen. Auch in Hoorn mussten zum Erreichen der offenen Strecke erst wieder mal einige Bahnübergänge bewältigt werden, einer davon über eine vierspurige richtungsgetrennte Schnellstrasse, fast Autobahn. Lustig der Anblick, weil sich wegen unseres Züglis beidseitig ein längerer Stau bildete. Allerdings passiert das bei normalem Fahrpan nur zwei- bzw. viermal am Tag. Auf dem Unterwegsbahnhof Wognum-Nibbixwoud wurde angehalten, das ganze Bahnhofsgebäude ist noch im Stil des letzten Jahrhunderts eingerichtet, vom Stationsbüro über die Gepäckabfertigung, den Güterschuppen bis zum Stellwerk, natürlich auch hier voll mechanisch, wobei für die eine Zugfahrt, die jeweils stattfindet, wohl nicht manche Hebel gestellt werden müssen… Weiter gings übers flache Polderland bis ran an den Deich in Medemblik, wo unsere Lok unter dem nun einsetzenden starken Regen ans andere Zugende wechselte. Die Regenschübe waren eine Zeit lang unregelmässig stark, ich musste erstmals den Regenschutz hervorkramen. Bis zur Rückfahrt schien aber schon fast wieder die Sonne. Der Schiffsanschluss erfolgte über den Deich, rechts des Walls stand der Zug im Bahnhof Medemblik, links davon am Anleger hatte das Motorschiff „Friesland“ festgemacht, und als ich den alten Kahn etwas näher betrachtet hatte, fand ich es fast schade, dass ich zur Rückfahrt nicht die Schiffsvariante gewählt hatte. Auch auf der Rückfahrt blieb es beim abwechslungsreichen Wettermix zwischen sonnig bis stark bewölkt mit unterschiedlich starken Regenschauern. Zurück in Hoorn konnte man dann auch noch das grosse Stellwerk im Turm besichtigen und einmal mehr über die Technik staunen. Da ich noch Zeit hatte, beschloss ich dann, noch die Hauptstrecke bis zu ihrem Endpunkt Enkhuisen abzufahren. Dort angekommen gönnte ich mir bei einem Imbiss am Hafen, wo ich auch die heimgekehrte „Friesland“ wieder antraf, eine Portion Kibbeling, eine Art Fisch&Chips, lecker.
Schliesslich machte ich mich auf den Rückweg, wobei ich nun in Amsterdam mitten in die HVZ geriet, mein Anschlusszug ab Amsterdam Sloterdijk war schon rappelvoll, da wollte ich mich nicht auch noch ins Getümmel werfen. Schnell war eine Alternative zur Hand, via Schiphol mit Umsteigen daselbst, war ich nur etwa zehn Minuten später in Rotterdam als ursprünglich geplant. Grosses Lob für die Fahrplangestaltung der NS!
Mittwoch 27.08.2025 – Veluwsche Stoomtrein Maatschappij
Da das Wetter für die nächsten Tage recht gut bleiben und erst gegen das Wochenende veränderlich werden sollte, entschied ich mich, die zwei weiteren Museumsbahnen, die ich besuchen wollte, gleich anzuhängen. Nur welche zuerst? Ich entscheid mich fürs Hinterland und fuhr nach Apeldoorn zur Veluwsche Stoomtrein Maatschappij.. Welch Unterschied zur gestrigen Bahn. Hatte dort eine kleine Dampflok mit grossen Personenwagen zu kämpfen, war es hier umgekehrt. Eine grosse ehemalig deutsche Dampflok stand in Apeldoorn am hintersten Perron mit einem Züglein fast aus lauter Zweiachsern, ehemaligen österreichischen Spantenwagen. Nur der Bistrowagen war ein vierachsiger Holländer. Die Startprozedur war dann wieder ähnlich wie gestern, zur Stadt raus erst mal mit Halt an vielen Bahnübergängen, übers freie Feld gings dann zügiger voran. Ich stellte fest, Holländische Museumsbahnen verlaufen flach und meist geradeaus, ohne engere Kurven zum Fotografieren… Wir fuhren eine knappe Stunde bis Eerbek, wo die Lok dann den Zug umfuhr und nun Tender voraus die Rückfahrt aufnahm, welche erst mal bis Beekbergen ging. Dort hat auch diese Museumsbahn ein grösseres Depot- und Werkstätteareal, welches man nun frei besichtigen konnte. Es standen noch viele weitere ehemalige deutsche Loks dort, alle in zumindest äusserlich gutem Zustand, ich zählte etwa neun Grossloks, dazu noch drei Tenderloks und eine wahrscheinlich Polnische. Ob sie auch alle fahrfähig wären, ist mir allerdings nicht bekannt. Die Lok unseres Zuges durfte erst mal auf der Drehscheibe einige Runden zur Freude des Publikums drehen, anschliessend wurden ihre Vorräte an Wasser und Kohle ergänzt. Am Rande der Drehscheibe entdeckte ich noch ein Kleinod in Form eines fast 70jährigen Breuer-Traktors aus der Schweiz. Nach einer unterhaltsamen guten Stunde nahmen wir dann mit unserem Zug noch den restlichen Rückweg bis Apeldoorn unter die Räder, wo bereits neue Fahrgäste auf die nächste Runde warteten.
Dank des landesweit vorblidlich dichten Fahrplans der NS (meist Halbstundentakt) musste ich nicht lange auf meine nächste Verbindung zurück nach Rotterdam via Gouda warten.
Wieder begab ich mich zum Znacht zum alten Hafen und gönnte mir bei Vader Kleinjan ein feines Bitzli Fleisch zusammen mit vorzüglichen Frites (Belgien ist nicht weit…)
Dienstag 26.08.25 – Stoomtrein Goes-Borsele
Die Fahrt im Intercity nach Goes sollte eine gute Stunde dauern. Kaum war der Zug in der Centraalstation losgefahren, hielt er drei Minuten später schon wieder in Rotterdem Blaak, beim näheren Hinschauen stellte ich fest, dass mein gebuchtes Hotel da ganz in der Nähe liegen muss. Ich hatte mich schon mit dem eher dürftigen Tramfahrplan (ich komme noch dazu) in diese Richtung auseinandergesetzt und durfte nun erfreut feststellen, dass in Blaak alle paar Minuten Züge jeglicher Art vom Hauptbahnhof her anhalten, ich konnte also dann später mit einem IC zum Hotel fahren. In Goes (ausgesprochen Guus) angekommen gabs weit und breit keine Signalsiation zur Abfahrtsstelle des Museumsszuges oder zum Museum selber. Google Maps schlug mir einen Fussmarsch von 24 Minuten/2Km durch ein Industriequartier raus zu einem Bahnübergang auf freiem Feld kurz vor dem Einfahrsignal von Goes und dann etwa den halben Weg wieder zurück vor. Widerwillig folgte ich dem vorgeschlagenen Pfad mit der Meinung, dass da doch was direkteres möglich sein sollte. Bis zur Abfahrt des Dampfzuges hatte ich allerdings keine Zeit mehr, nach Alternativen zu suchen. Das Museum belegt eine grosse Fläche südlich des Bahnhofs, man sieht die Fahrzeuge von weitem. Der Weg führte mich schliesslich zum Haupteingang am Parkplatz des Museums, von wo man praktisch die ganze Strecke zurück bis fast Höhe Bahnhof lweiterlaufen musste, um die Abfahrtsstelle des Dampfzuges zu erreichen. Zuhinterst am Zug erblickte ich dann ein offenes Tor in einem Zaun, welches der direkte Zugang vom Bahnhof her gewesen wäre…
Eine kleine rote dreiachsige Dampflok sollte den stattlichen Zug aus älteren vierachsigen Holländischen Personenwagen ziehen. Erst gings raus aus der Stadt über mehrere Bahnübergänge, von denen die meisten bei einem kurzen Halt davor erst eingeschaltet werden mussten. Als wir dann das offene Land erreicht hatten, rollten wir etwas schneller, so etwa 25-30 km/h. Nach etwa 45 Minuten war das Ziel, der Bahnhof Hoedekenskerke, ein Ortsteil von Boersele, erreicht. Im angrenzenden kleinen Freizeitpark konnte man verweilen und sich verpflegen, ich bevorzugte es, die Rangiermanöver und das Futtern der Lok zu beobachten, später gings dann noch hoch auf den Deich gleich daneben, von welchem aus sich eine weite Sicht auf die Schelde, dem Zugangsweg zum Hafen von Antwerpen, auftat. Nach ein paar wenigen Regentropfen kam auch die Spätnachmittagssonne wieder hervor, und so genoss ich wieder mal die salzige Meeresluft. Nach einer guten Stunde stand die Lok zur Rückfahrt bereit am Zug, gemütlich zuckelten wir wieder Richtung Goes. Nach der Ankunft hatte man dort noch ausgiebig Zeit, das weitläufige „Frelicht“museum (viele Fahrzeuge stehen in mehr oder weniger gutem Zustand in der Gleisanlage herum) und die Werkstätten der Bahn zu besichtigen. Nachdem ich alles gesehen hatte, ging ich nun durch das Tor bzw. den Hintereingang des Museums bahnhofsseitig zurück, der Weg war viel kürzer, leider vom Bahnhof aus nicht signalisiert, der erste Hinweis findet sich erst etwa 50m vor dem Tor.
Ich erwischte gleich einen der halbstündig fahrenden IC zurück nach Rotterdam, hätte jetzt eigentlich auch gleich in Blaak aussteigen können, musste aber natürlich noch den Koffer aus dem Schliessfach im Hauptbahnhof holen. Schon bald fuhr aber dann ein „Sprinter“, die holländische Bezeichnung für einen Regionalzug, zurück nach Blaak. Aus dem Untergrund ans Tageslicht, über die Strasse und nach ein paar Metern noch über eine Klappbrücke, schon hatte ich das ibis Rotterdam City erreicht. Es liegt direkt am ältesten Teil des Rotterdamer Hafens. Schnell hatte ich mein Zimmer bezogen, trotz länger gebuchtem Aufenthalt leider nicht mit Hafenblick. Nun war noch der aufgekommene Hunger zu stillen, rund um den alten Hafen ist die Auswahl an Gastronomie sehr vielfältig. Schnell hatte ich ein Beizli gefunden inklusive der Erkenntnis, dass ich diese Woche sicher nicht lange nach Verpflegung suchen werden muss.
Dienstag, 26.08.25 – drei Länder in drei Stunden
Punkt 09:00 sollte der Eurostar (früher Thalys) Richtung Amsterdam abheben, doch wird der Reisende dazu genötigt, sich schon 20 Minuten vor Abfahrt im Bahnhof einzufinden, nur um dann noch zehn Minuten vor geschlossenen Toren zu warten. Immerhin konnte ich mir in dieser Zeit noch kurz Kaffe und paar Zmorgeleckereien besorgen. Dann gings ohne grosse Behinderung direkt zum Wagen 12, auf meinen reservierten Platz 11. Viel Personal, doch an einer planmässigen Abfahrt schien niemand so richtig interessiert zu sein, es wurde nur herumgealbert. So gegen 09:04 wurden dann die Türen endlich geschlossen, der Zug fuhr los, nur um in einer Unterführung etwa zwei Kilometer nach derm Bahnhof nochmals etwa sechs Minuten auf die Weiterfahrt zu warten. Danach gings aber dann sehr rasant Richtung Norden durchs Hinterland der Normandie, an Lille rechts vorbei gegen Brüssel zu. Für die letzten paar Kilometer wurden wir dann kurz vor der Belgischen Hauptstadt noch von der Hochgeschwindigkeitsstrecke abgeleitet, so dass wir dort mit etwa 12 Minuten Verspätung eintrafen. Ich sah schon meinen Tagesplan ins Verderben laufen, er war allerdings eh etwas ambitiös. Weil schönes Wetter herrscht, wollte ich am Nachmittag eigentlich noch die erste Dampfbahn besuchen, die auf meiner Liste steht. Der Nachmittagszug des Stoomtrein Goes-Borsele startet um 14:15, und die verkaufen für diese Nachmittagsrunde sogar Halbtageskarten, mehr brauchte ich eigentlich nicht. Um bis dahin mit einem InterCity nach Goes zu gelangen, gab es bei planmässiger Ankunft meines Eurostar in Rotterdam um 12:02 genau eine Möglichkeit mit Abfahrt um 12:21. Ausserdem wollte ich den Rollkoffer nicht unbedingt dorthin mitschleppen und gedachte, diesen in Schliessfächern, die ich zuhinterst im Rotterdamer Bahnhof geortet hatte, zu deponieren. Dies sollte natürlich in der knapp 20minütigen Umsteigezeit auch noch stattfinden. Mit der zunehmenden Verspätung sah ich diesen Plan davonsausen. Allerdings hatte ich nicht mit den Kollegen gerechnet, die den Zug ab Bruxelles übernommen hatten. Bis Antwerpen war schon einiges eingeholt, in Rotterdam Centraal kamen wir dann mit unter 5′ Verspätung an. Mein Glück, dass ich genau die Unterführung erwischte, an deren Ende sich zwei Gleise weiter drüben die Schliessfächer befinden, die sich allerdings hinter einer unscheinbaren Tür verstecken, man muss schon das Kleingedruckte an der Tür lesen, um festzustellen, dass man am richtigen Ort ist. Hinter der Tür freie grosse Auswahl an leeren Fächern und einfaches Handling, der Deponievorgang war innert drei Minuten erledigt, so dass ich mir für den Weg durch die Unterführung 10 Gleise nach weiter vorne locker Zeit nehmen konnte.
Wie ich den Dampfzug fand dann im nächsten Teil….
Montag, 25.08.25 – ab ins Flachland…
Nachdem letzte Reisen eher in gebirgige Regionen wie die Seealpen oder nach Korsika gingen, ziehts mich nun wieder mal Richtung Flachland. Rotterdam und Antwerpen sind die Hauptziele, ich wollte schon lange mal schauen gehen, wie die nördlichen Ziele vieler Güterzüge, die auf der Transitachse bei uns durchfahren, ausehen. Ausserdem habe ich Anfang Jahr beim Aufbau meiner Viaduct-Reisedatenbank festgetellt, dass die Niederlande auf meiner Bahn-Europakarte ein weisser Fleck ist, da ich schon seit Jahren nicht mehr dort war, ausser einige Male im Transit über den Flughafen Schiphol. Das musste natürlich geändert werden! Über Deutschland mochte ich aus naheliegenden Gründen nicht unbedingt fahren, doch ergab sich da eine direktere Route, die es so nur noch bis Dezember gibt.. Ich startete also gegen Mittag Richtung Bern-Biel, dann mit dem direkten RE nach Meroux TGV nahe Belfort. Hätte man jetzt hier einen direkten Anschluss (das Perron von Meroux TGV liegt quer über und direktem Zugang zu den Gleisen des Bahnhofs Belfort-Montbéliard TGV), wäre dies eine tolle Alternative zu den Reisewegen über Basel oder Lausanne (von Bern aus gesehen)! Nur leider durfte ich auf den nächsten planmässigen TGV nach Paris nun über zwei Stunden warten. Schade, denn würde man die beiden Reiseteile zusammenziehen mit einem pragmatischen Umsteigeanschluss in Meroux, käme man für die Reise von Uttigen nach Paris auf knapp unter sechs Stunden.
Nun gut, immerhin bekam ich einen guten Sitzplatz, um die spätnachmittagliche Fahrt nach Paris zu geniessen, da stehe ich mit den TGVs nämlich auch etwas auf Kriegsfuss…
In Paris Gare de Lyon angekommen, schnappte ich mir die nächste RER zur Gare du Nord, dort hatte ich wenige Meter vom Bahnhof entfernt in einem ibis ein Zimmer gebucht und bekam ein recht kleines Kabäuschen, doch für eine Nacht reichts. Kurz einräumen und dann wieder raus, erst rekognoszierte ich mir den Weg durch die Baustelle vor dem Bahnhof in die Halle, dann stockte ich meinen Proviatnt-Vorrat für die nächste Etappe auf, um mir danach in einem nahen typischen Bistro („La Taverne“) ein feines Znacht zu gönnen. Vor dem Zubettgehen testete ich dann noch paar neu gekaufte Gadgets auf ihre Reisetauglichkeit und liss mich schliesslich in die weichen Federn fallen.
Freitag, 13.06.2025 …………………….. Lyon-Genève-Bern-Uetendorf-Uttigen
Der heutige Vormittag war noch für eine kleine Besichtigungstour in Lyon reserviert. Erst fuhren wir mit der Metro A zur Metro C, welche eine Spezialität im U-Bahnnetz von Lyon darstellt, fährt sie doch abschnittweise mittels Zahnrad von Hôtel de Ville hoch ins Quartier Croix-Rousse. Nächstes Ziel waren zwei benachbarte Funiculaires in Vieux-Lyon ennet der Saône bei der Pont Bonaparte (Napoléon lässt uns nicht los…). Mit der Funiculaire de Fourvière fuhren wir hoch zur Basilique de Fourvière, welche hoch über der Stadt thront und von wo es schöne Aussichten gibt. Danach erreichten wir mit einem kurzen aber schweisstreibenden Fussmarsch die Bergstation des Funiculaire Saint-Just, mit welchem wir wieder hinunter zur Pont Bonaparte fuhren. Mit Metro und Tram fuhren wir zum Abschluss noch bis zum Musée des Confluences, welches ganz in der Nähe des Zusammenflusses von Rhône und Saône und diesen mit seiner gelungenen Architektur überragt. Bis zum äussersten Spitz, wo die beiden Gewässer zusammenkommen, war es nicht weit. Nach einigen Erinnerungsföttelis dort nahmen wir das nächste Tram zurück nach Perrache, holten das Gepäck im Hotel und fuhren dann mit dem nächstbesten TER rüber nach Part Dieu. Dort gab es noch kein Abfahrtsgleis für unseren TER nach Genf, deshalb reichte es noch für ein leichtes Zmittag im Bahnhofbistro. Als wir dann am endlich kommunizierten Gleis eintrafen, war der Zug nach Genève bereits gut gefüllt, mit etwas Suchen fanden wir aber doch noch zwei Sitzplätze. Die Fahrt verlief ruhig mit letzten Büroarbeiten/Ergänzungen dieser Reiseberichte. Trotz unterwegs aufgelesener Verspätung erreichten wir in Genève unseren geplanten IR nach Bern, wo wir gegen 19 Uhr eintrafen. Bettina erwartete uns am Perron und übereichte mir, was mir Tinu kürzllich noch in Aachen besorgt hat. Ich verabschiedete die beiden nach Hause und musste nun selber noch einen kleinen Umweg fahren. Da im Moment die S1 baubedingt nicht bis Uttigen fährt, musste ich mit der S44 erst mal via Gürbetal nach Uetendorf und von dort mit dem Bahnersatzbus nach Uttigen fahren. Müde und verschwitzt kam ich gegen 20 Uhr zuhause an, und da sich das drohende Gewitter auch noch zurückhielt, habe ich nun also die Regenjacke vergebens auf diese wieder mal sehr interessante und intensive Reise mitgenommen.
Donnerstag, 12.06.2025 ………….. Ajaccio >> Vitrolles-Nîmes-Lyon
Heute war wieder mal ausschlafen angesagt. Am Rooftop-Pool hatte es keinen Andrang, die benachbarte Baustelle lärmte tatsächlich ziemlich. Trotzdem machte ich es mir dort oben im Schatten für etwa ein Stündchen gemütlich. Danach schauten wir uns noch ein wenig Ajaccio weiter an und landeten schliesslich weit hinten am Trottel Beach in der Strandbar zu einem Apéro mit guter Unterhaltung. Nach einem kurzen schweisstreibenden Besuch einer Napoleon-Statue bestiegen wir um 14 Uhr wieder vorne beim Bahnhof den Airport Bus, der uns in paar Minuten zum Flughafen hinaus brachte. Nach dem Abgeben des Gepäcks reichte es noch für ein paar Zmittagbrötli vom Beck in der Abflughalle. Fast pünktlich hob unser A320neo der Corsica Air ab und brachte uns wieder mit einem kurzen Hüpfer nach Marseille. Dort mussten wir etwas aufs Gepäck warten, es reichte trotzdem locker auf den nächsten Bus, der uns wieder zu einer Bahnstation brachte, in diesem Fall Vitrolles Aéroport Marseille-Provence (die Franzosen haben bei den Bahnhofsnamen irgendwie ihren Hang zu komplizierten und langatmigen Doppelnamen entdeckt). Von dort gings mit einem gut gefüllten TER etwa eine Stunde nach Nîmes Pont du Gard, wo wir für den Rest der Reise noch einen TGV nach Lyon bestiegen. Hier mussten wir zuerst Reisende von unseren reservierten 1.Kl-Plätzen scheuchen, wobei nicht ganz klar ist, warum die trotz Reservationspflicht im Zug überhaupt besetzt waren. In rasanter Fahrt gings aus der Provence raus das Rhonetal hoch bis nach Lyon, wo ich aufgrund einer Fehlinformation unser Hotel, nochmals ein ibis, nicht beim Zielbahnhof Part Dieu, sondern beim Stadtbahnhof Perrache gebucht hatte. Es gibt aber zwischen den beiden Bahnhöfen regelmässige Verbindungen, und so konnten wir bei Ankunft gleich am selben Perron gegenüber in einen verspäteten OUIGO-billig-TGV umsteigen, der uns gütigerweise die paar Kilometer nach Lyon-Perrache mitnahm. Das Hotel befindet sich gleich neben dem Bahnhof, und trotz fortgeschrittenem Abend, es war mittlerweile gegen 22 Uhr aber immer noch sommerlich warm, bekamen wir im benachbarten Jazz-Club-Restaurant bei Simone draussen im Gärtli noch ein feines Reiseabschlussznacht.