Freitag, 19.01.2018

Es sollte der längste Flug meiner bisherigen Statistik zufolge werden, ganze 14 Std 10 Minuten waren angesagt. Ich hatte Melbourne-Dubai extra einen Qantas-Flug, der im Codesharing mit Emirates flog gewählt, um auch mal die Business-Class dieser Airline zu testen. Sie ist aber schon einiges weniger feudal als diejenige von Emirates. Zum Beispiel jeweils zwei Sitze nebeneinander gereiht statt Einzel-, oder Doppelsitze zur Auswahl. Immerhin gabs schon zum zweiten Mal innert ein paar Tagen von der Airline ein gratis-Pijama von Qantas, diesmal Langarm/Langbein, ich bin nun also gut ausgestattet. Nach dem Erreichen der Reiseflughöhe wurde noch ein Nachtessen serviert, ich hatte mich tagsüber etwas zurückgehalten und nun entsprechend Hunger. Anschliessend wurde geschlafen und es dauerte zwar etwas, bis ich die richtige Liegesitzeinstellung gefunden hatte, doch dann schlief ich durch bis das Licht am Morgen zum Service des Frühstücks wieder sanft aufgedimmt wurde, also nach knapp 8 Stunden. Sowas wäre in der Eco nie möglich. Wir landeten nach 13 Stunden 20 Minuten sogar vorzeitig in Dubai, frühmorgens um viertel nach Sechs, so dass es nur kilometermässig zum Rekordflug wurde (11’657 km), zeitmässig war ich allerdings vor ein paar Jahren von Singapore nach Zürich noch fünf Minuten länger in der Luft. Bis unser Gate frei wurde musste der Flieger noch einige Minuten in Warteposition, so dass wir dann auf die Minute pünktlich andocken konnten. Gut für mich, denn die Umsteigezeit von nur 1 Std 55 Minuten in Dubai war etwas ambitiös berechnet. Nach 20 Minuten war ich aber schon wieder durch die Security durch und in der riesigen Emirates-Lounge beim käfelen. Auch für den Weiterflug nach Zürich konnte man zeitig einsteigen, diesmal wieder in einen A380 der Emirates und mit feudalem Einzelsitz in der Businessclass. Hier verzichtete ich auf das Morgenessen, ich hatte ja zuvor schon eines bekommen. Stattdessen widmete ich mich den letzten Reiseberichten und Fotos und las dann noch ein wenig. Diesmal flog der Airbus einen ziemlichen Slalom über den persischen Golf, Kuwait, Irak und den Nordsten der Türkei unter Umfliegung der äussersten Ecke von Syrien. Dabei wurde mir schon etwas mulmig, wenn man sich vorstellte, was da unten alles vorging. Kurz vor der Landung wurde dann über dem Bodensee noch eine kleine Schlaufe gedreht, bevor wir, nur 10 Minuten verspätet, von Osten her in Zürich aufsetzen konnten. Nun war noch die grosse Spannung, ob Qantas diesmal den Gepäckverlad im Griff und meine mittlerweile zwei Gepäckstücke rechtzeitig in Dubai an Emirates übergeben hatte. Als ich nach kleinen Verzögerungen bei der Shuttle-Bahn und der Passkontrolle ans Gepäckrollband kam, zogen diese dort aber schon ihre Kreise. Gut, rasch raus, denn es würde noch knapp auf den nächsten InterCity nach Bern reichen. Doch kaum war ich draussen, wurde ich mitten in der Menge angesprochen, mein Vater war zum Flughafen gekommen, um mich abzuholen. Wunderbar, und es reichte uns noch gerade in letzter Minute auf den Zug Richtung Heimat. Vater fuhr dann ab Bern mit seiner Tageskarte noch etwas weiter, während ich die nächste S-Bahn nach Uttigen nahm. Nach 30½ Stunden unterwegs öffnete ich gegen 15:30 zuhause die Wohnungstür und war wieder daheim.

Donnerstag, 18.01.2018

Heute hatte ich praktischerweise noch einen Tag frei in Melbourne eingeplant, da mein Flieger erst gegen Mitternacht abheben wird. Ich hätte auch noch eine Daysession Tennis anfügen können, aber eigentlich habe ich nun für eine Zeit lang genug Tennis live gesehen, und die Schweizer spielten heute sowieso alle in der Night Session und begannen erst, als ich bereits auf dem Weg zum Airport war. Schliesslich wollte ich ja auch noch ein wenig was von Melbourne sehen, ich war ja seit zehn Jahren nicht mehr da gewesen. Zwei Mal hoch hinaus war die Devise. Damals war das Riesenrad «Southern Star» im Bau, es musste nach Konstruktionsmängeln nochmals abgebrochen und neu aufgebaut werden, ist aber heute in Betrieb und heisst jetzt «Melbourne Star». Von der Grösse her kann es mit dem London Eye oder mit demjenigen von Singapore verglichen werden. Hier wollte ich noch mitfahren, es steht nicht weit von meinem Hotel entfernt, wo ich mein Gepäck für den Tag über noch einstellen konnte. Die Docklands, wo das Rad steht, sind wie andernorts auch vom Industrieviertel zum Wohn- und Geschäftsviertel umgewandelt worden, allerdings schien vor dem Mittag dort nicht viel zu laufen, eine Shopping Mall war praktisch leer, immerhin fand ich dort für später noch einen gut ausgestatteten Souvenirshop. Ausserdem war es schon gegen Mittag recht heiss. Die Endstation mehrerer Tramlinien in den Docklands gab zudem Gelegenheit für ein paar gute Tram-Fotos. Dann gings aufs Rad, es war so wenig Andrang, dass ich eine der klimatisierten Grosskabinen für mich alleine bekam. Auf der halbstündigen Runde wurde einem via Lautsprecher die Umgebung und Geschichte von Melbourne erklärt. Wieder am Boden, gönnte ich mir in einem der Cafés ein kleines Mittagessen, Lachs auf einem Rösti-Medaillon, zusammen mit frischen Avocados, Hatte ich so jetzt noch nie gehabt, war aber sehr lecker, ich muss das zuhause mal nachmachen. Dann nahm ich eines der City Circle Trams, historische Fahrzeuge, mit denen eine touristische Rundlinie in Melbournes Innenstadt betrieben wird. Ich machte fast die ganze Runde, stieg aber in der Flinders Street aus und ging zu Fuss zehn Minuten zum nächsten Höhepunkt. Es gibt nämlich noch ein Observation-Deck auf dem «Eureka» dem höchsten Wolkenkratzer Melbournes. Es liegt auf 285 Meter und damit viel höher als der Kulminationspunkt des Melbourne Star (120m über Boden). Und interessanterweise sieht man vom Riesenrad aus das «Eureka» nicht und umgekehrt, da steht auf etwa halbem Weg genau im richtigen Winkel ein anderes Hochhaus dazwischen. So hat man aber auch verschiedene Aussichten auf die Stadt, während man vom Riesenrad eher ins Hinterland und auf den Hafen sieht, kann man vom Hochhaus aus das südliche Melbourne inklusive Melbourne Park und Formel 1-Rennstrecke entdecken. In einer Ecke hat es eine Freiluft-Plattform, auf welche man wegen des starken Luftzugs nur durch eine Schleuse gelangt. Ich genoss die Aussichten und die gekühlte Plattform, draussen war es mittlerweile gegen 40 Grad und aus der Ferne sah man, dass auch beim Tennis nicht viel läuft, fast keine Leute und leere Plätze, wahrscheinlich hat man den Hitze-Modus in Gang gesetzt. Zurück auf der Erde ging ich noch dem Yarra River entlang bis zur Flinders Station, es war so heiss, dass man eh nicht viel machen mag. Mit dem nächstbesten Tram fuhr ich nochmals in die Docklands und machte im bereits erwähnten Laden noch ausgiebiges Souvenir-Shopping. Gegen 18 Uhr gings zurück ins Hotel, wo ich unten im Fitnessraum nach dem heissen Tag noch eine Dusche nehmen und mich umziehen und reisefertig machen konnte. Wegen einer baustellenbedingten Strassensperre bin ich vorgängig von Qantas per Mail dazu aufgefordert worden, die Fahrt zum Flughafen frühzeitig anzutreten. Deshalb startete die Rückreise bereits um 18:50, als ich das Hotel verliess. Von der Southern Cross Station aus, die nur paar Gehminuten vom Hotel weg liegt, gings mit dem Skybus, einer direkten Busverbindung noch vor der Autobahnsperre Richtung Flughafen Tullamarine. Dort konnte ich mich nach der Gepäckaufgabe in der Qantas-Lounge vertun, leider wurde nirgends Tennis gezeigt, Wawrinka war mittlerweile am Spielen. Aber dank WLAN konnte ich mir den lokalen Sportsender aufs Tablet holen und bis zum Abflug die Spiele so verfolgen, Wawrinka verlor, und als ich gegen 23 Uhr in den Flieger einsteigen konnte, hatte dafür Federer schon zwei Sätze gewonnen und stand im dritten. Kurz vor Abflug, erfuhr ich dann noch auf dem Handy, dass er auch diesen im Tiebreak und somit den Match gewonnen hatte, so dass ich geruhsam die Heimreise antreten konnte. Wenige Minuten nach Mitternacht hob der A380 zum über 13-stündigen Flug nach Dubai ab…

Mittwoch, 17.01.2018

Heute dachte ich sogar daran, beim Frühstücksbuffet vorbeizuschauen, das eigentlich im Zimmerpreis inbegriffen wäre (gestern wäre ich eh zu spät gekommen, wenn ich es gemerkt hätte). Im Melbourne Park hatte es spürbar weniger Tennisfans als gestern, man kam überall gut durch, war kein Hindernis, wenn man mal irgendwo stehen blieb, um etwas anzuschauen, auch die Warteschlangen waren kürzer, wo es sie denn gab. Ich besuchte zuerst Court 10, wo Viktorija Golubic zusammen mit der Serbin Nina Stojanovic im Doppel im Einsatz war und locker gewann. Es sollte das einzige positive Schweizer Ergenis des Tages bleiben. Ich wechselte dann in die Hisense Arena, um doch mal zu schauen, ob man den Bencic-Match nicht doch live verfolgen könnte, und man konnte! Die ganze obere Hälfte der Arena war Free Seating, Sitzplätze zwar hoch über dem Platz, aber immerhin war man dabei. Leider hatte ich nun natürlich keine Schweizer Fan-Utensilien dabei, denn ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich da reinkomme. Nun bin ich also schuld, dass Belinda dann schliesslich verloren hat 🙁 . Gegen die unbekannte Thailänderin Kumkhum schien sie streckenweise ziemlich ratlos, von der Spielfreude, die man ihr gestern im Training noch ansah, war nichts mehr erkennbar, der erste Satz ging sang- und klanglos verloren. Anfags zweiter Satz hatte man das Gefühl, dass sie nun die Spur gefunden hat und das Ding noch drehen könnte, doch leider gelang ihr dies nicht und sie verlor schliesslich auch diesen.
Dann war es Zeit, in die Rod Laver Arena auf meinen reservierten Platz zu wechseln. Caroline Wozniacki erging es fast wie Bencic, sie hatte im zweiten Satz bei 1:5 einen Matchball gegen sich, konnte am Schluss aber noch gewinnen. Dann kam Rafa! Nadal ist nun auch nach Verletzungspause zurück und kämpfte gegen Leonardo Mayer aus Argentinien, ein fast ebenbürtiger Kontrahend. Auch wenn Nadal in drei Sätzen gewann, ist er etwa ähnlich in Form wie Federer, an sich sehr stark, aber noch nicht ganz fehlerfrei.
In Erwartung eines Schlagerspiels hatte ich mir für die Nightsession ein recht teures Ticket in der elften Reihe spendiert, doch das Programm meinte es anders:  zuerst Dimitrov (BUL), immerhin Nr. 3 des Turniers gegen den unbekannten Amerikaner McDonald, anschliesssend noch Gavrilova gegen Mertens, eine Begegnung, die ich schon in Perth zu sehen bekam, damals gewann Mertens. Der Match der Herren wurde dann doch recht abwechslungsreich, zog sich aber wegen verspätetem Beginn sehr in die Länge, so dass ich mich mitten im fünften Satz (ohne Tiebreak, deshalb Ende nicht absehbar) langsam zurückzog, um noch das letzte Tram bis zum Hotel zu erwischen. Dimitrov gewann den letzten Satz schliesslich mit 8:6 und damit auch den Match. Aufs Damenspiel konnte ich verzichten, ich schaute es dann noch am Fernsehen im Hotel fertig während ich meine Sachen zusammenpackte, ging bis morgens um 1:50!

Dienstag, 16.01.2018

Gegen Mittag fuhr ich mit dem Tram zum Melboure-Park, der erste Tag an den Australian Open konnte beginnen. Die riesige Anlage war schon sehr gut besucht und so musste ich mich zuerst wieder orientieren, ist ja tatsächlich schon zehn Jahre her, seit ich das letzte Mal hier war. Inzwischen hat man einen dritten Platz, die Margaret Court-Arena überdacht, dort ist nun auch kein Free Seating mehr. Ich schaute zuerst auf den Aussenplätzen, was sich so tut, landete am Schluss zuhinterst bei Platz 23, wo ein bekanntes Gesicht am trainineren war. Belinda Bencic hatte fast unbemerkt ihre Übungsstunde begonnen, doch kamen mit der Zeit immer mehr Zuschauer dazu, schliesslich auch noch Fernsehen SRF. Dennoch konnte ich Fotos von sehr nahe am Spielfeldrand schiessen. Stan Wawrinka spielte unterdessen in der Hisense-Arena, der zweite Court, zu welchem mein Ticket keinen Zugang bietet (hatte ich gemeint…; siehe morgen). Er gewann trotzdem bei seinem Comeback, man konnte das auch auf den überall platzierten Grossleinwänden mitverfolgen. Nun war es Zeit, meinen Platz in der Rod Laver Arena einzunehmen. Die Nr. 1 der Damen, Simona Halep spielte gegen eine unbekannte 17-jährige Australierin, die ihr zumindest im ersten Satz ziemlich ebenbürtig war. Im zweiten Satz war der Fall dann klar und Halep gewann ihr Auftaktmatch. Das erste Spiel der Nightsession war dann eindeutig der Schlager des Tages, Roger Federer spielte gegen den Slovenen Bedene und gewann standesgemäss und problemlos in drei Sätzen. Ich schaute noch den ersten Satz der nachfolgenden Partie, dann schlenderte ich zum Schluss ein wenig über die Anlage, die Zuschauermenge hatte sich inzwischen verzogen und jetzt konnte man all die Stände etwas besser und ohne Warteschlangen in Augenschein nehmen. Morgen muss ich jedenfalls noch im Fanshop vorbei gehen. Mit dem Tram gings zurück ins Hotel, morgen nochmals ähnliches Programm…

Montag, 15.01.2018

(nun Melbourne-Zeit, CH + 10 Std)

Die Sache mit dem Gepäck. Am Morgen hatte ich rasch alles zusammengeräumt und verpackt, da ich meiner Meinung nach noch nicht viel gekauft hatte, sollte auch mein Koffer nicht viel schwerer sein als die 21,xx Kilo der Hinreise, ich dachte ich hätte also noch 1,xx Kilo «Luft». In Melbourne regnete es immer noch, richtig stark, als ich gerade meinen Koffer ins Auto verfrachten wollte. Auch bei der Freiluft-Mietwagenrückgabe wurde das Administrative eine feuchte Angelegenheit, dafür konnte man nachher auf einem überdeckten Fussweg die drei Minuten zum Terminal 4 zu Fuss gehen. Die Gepäcketikette musste an einem Automaten ausgedruckt werden, mich wunderte noch dass keine Waage vorhanden war. Also ab aufs Förderband, wo noch weitere Angaben eingegeben und bestätigt werden mussten. Und da war sie, die Waage, und mass 24,4 kg für meinen Koffer, und keine freundliche Ground-Hostess am Schalter, die wegen den paar Gramm mehr ein Auge zudrücken würde. Nein, die Waage verlangte unerbittlich maximal 23 kg, oder umpacken, oder 50$ Übergepäckgebühr zahlen! Aus lauter Frust drückte ich die 50$-Taste, doch ich hatte wohl zu lange überlegt und der Vorgang wurde abgebrochen. So verzog ich mich in eine Ecke und überlegte, was ich noch alles Gewichtiges vom Koffer in den Rucksack umtischen könnte. Da waren noch zwei Bücher, Prospekte sind in der Menge auch schwer, sowie ein wertvoller Bumerang. Mein Rucksack war nun zum Bersten voll, mehr ging nicht mehr rein. Zurück zur Waage, die Spannung stieg. Der Zähler blieb bei 22,9 kg stehen, uff! Die Abfertigung wurde akzeptiert, der Koffer verschwand auf dem Förderband. Irgendwo im Hintergrund hörte ich nebenbei, dass bei einem Qantas-Flug aus Sydney kein Gepäck mitgekommen war, am Service-Schalter gabs deswegen eine lange Schlange, die Armen, dachte ich nur so… Nun kam noch das Kunststück des Auspackens des Rucksacks bei der Security, doch das war schon fast Routine. Am Gate wartete schon der Qantas-Airbus nach Melbourne, in dreieinhalb Stunden und drei Zeitzonen weiter sollten wir dort sein. Will heissen, Abflug 10.00, dreieinhalb Stunden unterwegs, Ankunft 16.35 und der Tag ist gelaufen… Ruhiger Flug über einen riesigen Teppich von Schäfchenwolken und über die südliche Ecke Australiens zwischen Adelaide und Melbourne, dort pünktliche Landung. Nun warteten alle am Gepäckband auf die Koffer, doch es kamen erst nur ein paar wenige Taschen. Irgendwie meinte ich, meinen Namen in einer Durchsage gehört zu haben und begab mich langsam Richtung Serviceschalter. Dann kam die allgemeine Durchsage, dass bei unserem Flug nicht alles Gepäck mitgekommen sei und man sich zu eben diesem Schalter für weitere Infos begeben solle. Da ich praktisch schon dort war, war ich Nr. 3 in der langen Schlange, die sich nun bildete. 85 Koffer seien zurückgeblieben (wie schafft man das?) und es folgte die Prozedur, die ich schon vom Gepäckverlust meines Vaters damals in Göteborg her kannte. Diesmal bin ich aber stationär und die Chance, dass das Gepäck noch heute ins Hotel nachgeliefert würde, sei gut, meinte die Frau am Schalter und vermerkte noch auf dem Formular, dass ich Tennis gucken ginge (was das für einen Einfluss haben sollte ist mir zwar schleierhaft). Wir erhielten alle noch einen Beutel mit den nötigsten Sachen, dann fuhr ich mit dem Skybus ins Stadtzentrum. Zu Fuss zum Hotel, ohne einen Koffer nachschleppen zu müssen geht auch besser… Ich bekam mein Zimmer im 10. Stock des Atlantis-Hotels, mit Blick auf den Bahnhof Southern Cross, allerdings über eine Baustelle hinweg. Nun versuchte ich mal, Strategien zu entwickeln, wie es weitergehen sollte. Dank der Umpackerei im Vorfeld war im grossen Koffer nichts mehr Wichtiges, nur dreckige Wäsche. Doch, das ganze Toilettenzeugs war noch drin, und alle meine Ladekabel für Fotoapparate, Handy, Laptop. Und Schweizer Fahne und T-Shirts, die ich morgen zum Federer-Match anziehen wollte, so kamen doch ein paar wichtige Sachen zusammen, die nun fehlten. Ich beschloss, Qantas eine Chance bis morgen Vormittag zu geben und mich schon mal nach Alternativen umzuschauen. Tennis gucken morgen sollte mit den vorhandenen Kleidern kein Problem sein, ausserdem könnte ich mir Sonnenhut und T-Shirts an den Australian Open kaufen. Und in der Strasse vor meinem Hotel hat es mindestens zwei Elektronikläden, wo man neue Ladekabel bekäme, bis dahin wird einfach ein wenig Strom gespart. Ich ging dann mal hinunter an den Yarra River, wo es eine Flaniermeile mit vielen Restaurants hat und gönnte mir in einem davon ein feines Steak mit einheimischem Bier. Es fiel direkt auf, dass hier die Sonne zeitlich etwas später untergeht als im Westen und es danach auch noch länger hell bleibt. Wetter übrigens gut, auch am Abend noch lau. Während meinem Flug hatte Belinda Bencic bereits ihr Erstrundenspiel gegen keine geringere als Venus Williams gewonnen. So ist die Chance gross, dass ich sie am Mittwoch spielen sehe. Nach dem Znacht noch Lebensmittel-Einkauf in einem 7eleven beim Bahnhof. Zurück im Hotel fragte ich mal an der Reception, ob schon was angekommen sei, leider nicht, aber es sei unterwegs, Qantas habe angerufen. Ich ging hoch, schaute Fernsehen und wartete. Und tatsächlich: Zehn Minuten vor Mitternacht läutete das Telefon und ich konnte meinen Koffer an der Reception in Empfang nehmen. Nun wären wir also komplett, dank Zeitverschiebung bin ich noch gar nicht müde, doch gehe ich jetzt in meinem neuen Qantas-Pijama, das ich im Ersatzbeutel vorfand, schlafen.

Sonntag, 14.01.2018

Gestern hatte ich noch in einer Ecke des Motels einen Autowaschplatz entdeckt und dachte mir, ich könnte dann heute Morgen das Auto mal von Wüstenstaub, Meeressalz und Mövenschiss befreien. In der Nacht hatte es aber unbemerkt geregnet, so dass ein Teil der Arbeit schon getan war. Im selben Restaurant wie gestern Abend das Nachtessen, gabs heute das Zmorgebuffet. Dann packte ich rasch fertig und führte die Wagenwäsche noch zu Ende, jetzt sah der Mitsubishi zumindest von aussen wieder einigermassen aus, für drinnen bräuchte ich einen Staubsauger. Mit einer kleinen Rundtour durch Geraldton gings los, erst zu einem Leuchtturm und durchs Hafengebiet, zuletzt noch zum Denkmal für die HMAS Sydney, ein auf der Höhe der Shark Bay versunkenes Kriegsschiff. Von hier oben hatte man auch eine gute Rundsicht übers Städtchen. Auf dem heutigen Plan standen nun noch die Pinnacles, der Yanchep Nationalpark und/oder der Caversham Wildlifepark. Mein erstes Ziel war der Nambung Nationalpark mit seiner Wüste aus Tausenden von Steinsäulen, auch Pinnacles genannt. Nachdem es bei Abfahrt in Geraldton wieder trocken war, kam unterwegs der Regen immer stärker, auch bei Ankunft im Nationalpark regnete es stürmisch. So kam erstmals doch noch die neue Regenjacke zum Einsatz und ich hielt mich vorerst im Visitors Center am Schärme. Zur Auswahl standen ein 1,5 Kilometer langer Rundweg zu Fuss oder eine Schlaufe von 4,5 km Gravelroad mit dem Auto. Nach meinen gestrigen Hitzeeskapaden verzichtete ich heute auf nasse Fussmärsche und fuhr mit dem Auto durch die einmalige Landschaft. Kaum war ich losgefahren, hörte der Regen nämlich auf, und man konnte jetzt auch an den diversen Ausstellplätzen der einspurigen Piste anhalten und trockene Fotos machen. Auch Emus und Kängurus bevölkerten diese einmalige Szenerie. Der Regen hatte einen weiteren Vorteil, es staubte überhaupt nicht und so blieb auch mein frisch gewaschenes Mietauto einigermassen sauber, vorläufig… Und die Pinnacles machten auch bei bewölktem Himmel gute Figur. Kurz bevor ich die Schlaufe beendet hatte, begann es wieder stärker zu regnen, doch das meiste hatte ich bereits gesehen und so konnte ich weiterfahren. Emus und Kängurus waren mir nun zur Genüge begegnet, jedoch noch keine Koalas. Für die gibt es im Yanchep Nationalpark, der ebenfalls an meinem Weg nach Perth lag, einen eigenen «Koala-Trail». Bis dorthin musste ich aber noch durch einige Regenfronten fahren, mein Auto war jetzt definitiv sauber. Auch für den Yanchep-Park erwischte ich ein einigermassen trockenes Wetterfenster. Ausserdem galt hier der Tagespass des Nambung-Parks ebenfalls, so dass ich heute zwei Nationalparks zu Preis von einem hatte, während ich ja gestern für den einen Park etwas zuviel gezahlt hatte. Hier werden die Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum auf Eukalyptusbäumen gehalten und man kann durch die Bäume schlendern und sie von unten beobachten. Man muss schon gut schauen, dass man sie erkennt, bei meinem ersten «Durchgang» entdeckte ich nur zwei Koalas, später, wenn man ein wenig das Auge dafür hatte, sassen plötzlich fast auf jedem Baum mindestens ein Koala. Im Caversham-Park wäre man den Viechern wahrscheinlich etwas näher gekommen, dafür werden sie hier in ihrer natürlichen Umgebung gehalten. Caversham hatte eh schon geschlossen, bis ich dort war. Nicht weiter schlimm, denn der Park liegt nur wenige Kilometer vom Airport und meiner letzten Unterkunft hier in Perth entfernt. Hotel Ibis Budget ist wirklich Budget, kein Lift, und auch sonst einfachster und billigster Komfort, aber für die letzte Nacht hier tut es das, dafür bin ich super nahe in vier Minuten beim Airport und muss mich morgen früh nicht noch durch den Verkehr kämpfen. Erst mal das Auto ausgeräumt und alles im Zimmer zum Umpacken ausgebreitet. Dann hatte ich Hunger und fand in der Nähe eine Pastabude, wo es leckere Penne Carbonara mit Salat gab. Danach gings noch zum Volltanken und schliesslich zurück ins Hotel, wo jetzt Gepäckoptimierung für den morgigen Flug angesagt ist. Dieser liess sich nicht so einfach und günstig in meinen «Businessplan» einfügen und so fliege ich halt Economy nach Melbourne, habe aber deshalb natürlich weniger Kilo Freigepäck zugut, drum muss ich jetzt etwas umtischen.

Samstag, 13.01.2018

Nach zwei Übernachtungen verliess ich heute das nette Ocean Village in Denham. Auch diesen Morgen schlenderte wieder eine Emu-Familie der Strasse vor dem Village entlang auf Futtersuche, schon fast ein gewohntes Bild. Bevor es für mich richtig losgehen konnte, musste ich noch tanken und Kaffee besorgen. Ein erster Stopp dann schon kurz nach der Dorfgrenze für einen Lookout mit Blick zurück Richtung Denham. So gings weiter, jetzt nahm ich mir die Zeit für all die Attraktionen und Aussichtspunkte entlang der Strecke. Eagle Bluff, wo man unten im seichten Wasser Haie herumschwimmen sah, Shell Beach, ein meilenweiter weisser Strand aus Milliarden kleinster Müschelchen (NICHT präsentiert für Sie von Shell). Hier wurde mir erstmals bewusst, wie heiss es morgens um halb Zehn eigentlich schon war, nämlich über 30 Grad. So wurde in der Folge auch der Sonnenschutz sehr intensiviert, seit etwa vorgestern ist eh am Abend auch After-Sun-Lotion im Einsatz. Mich hats ziemlich an der einen Hand erwischt, die dauernd am Steuerrad hängt. Im Overlander-Roadhouse ergänzte ich zudem meine Wasservorräte um mehrere gekühlte Flaschen, jetzt kam ein längerer Abschnitt ohne grössere Attraktionen. Nur am Billabong-Roadhouse stoppte ich nochmals kurz. Ich bin ja sonst überhaupt nicht so der Lastwagen-Fan, aber diese Road-Trains sind schon recht eindrücklich, und in Billabong standen zwei sehr ausgewachsene Exemplare, die mussten noch kurz fotografiert werden.

Nach 120 weiteren Kilometern dann der Abzweig zum Kalbarri Nationalpark, meinem nächsten Ziel. Die Temperatur stieg während der Fahrt weiter und erreichte jetzt schon über 40 Grad! Die Eingänge Australischer Nationalparks sind nicht überall mit Rangern besetzt. Fürs Bezahlen der Parkgebühr gibt’s verschiedene Möglichkeiten, beispielsweise System Billettautomat in Form einer umgerüsteten Parkuhr, man kann da sogar mit Karte bezahlen. Der Hintereingang von Kalbarri hat nur einen Dispenser von Couverts, in welche man die entsprechende Gebühr stecken und das ganze in eine Art sicheren Briefkasten werfen kann. Die Kopie der Couvertabdeckung gilt dann als Ticket. Dumm nur, wenn man wie ich nicht passend Münz hat. So opferte ich für die immerhin 13$ Gebühr halt eine 20$-Note, ist ja für einen guten zweck. Von zwei Aussichtspunkten aus hat man schönen Überblick über den Canyon des Murchison Rivers, der sich vielfarbig in die sonst recht flache Landschaft eingegraben hat. Zu zwei weiteren nördlicher gelegenen Lookouts führt laut meinem schlauen Reisebuch nur eine nicht asphaltierte Piste, nicht ratsam für Nicht-4WD-Fahrzeuge. Beim Eingang war sie allerdings noch geteert, neugierig wie ich bin, folgte ich der Strasse mal, um zu schauen, wie weit es geht, schliesslich wollte ich noch ein wenig etwas fürs Geld 😉 . Nun, der Asphalt reichte schon mal bis zum einen Lookout, damit hatte ich nicht und entsprechend auch keine Zeit einberechnet, pro Weg waren das immerhin 26 Kilometer! Egal, die Temperaturen bewegten sich inzwischen um die 42 Grad! Auf einem kurzen Trail von 500m konnte man zu einem «Natural Window» laufen, was ich natürlich tat, beim Rückweg merkte man dann schon, dass es etwas heiss ist. Im normalen Leben würde ich mir wahrscheinlich sowas nicht antun. Aber es hat sich gelohnt, grandiose Aussichten und Bilder von diesem Fenster aus! Weiter zum anderen Lookout, Klimaanlage im Auto auf Volltouren. Hier sind nur die letzten hundert Meter noch ungeteert, der Fussweg zum Aussichtspunkt dafür 600m pro Weg. Sollte ich? Ja, auch wenn ich da weit und breit der einzige Besucher war, ein gewisses Risiko ging schon mit. Aber auch hier hat es sich wegen des Ausblicks tatsächlich gelohnt! Heil erreichte ich wieder das Auto, zum Glück hatte ich immer noch genug Wasser, wenn auch nur noch lauwarm bis halb kochend. Zeitlich leicht im Verzug fuhr ich nun zur Ortschaft Kalbarri, welche vorne an der Küste liegt und ausser dem Park-Headquarter nicht viel zu bieten hat. Entlang der Küste gäbe es noch einige Felsformationen zu sehen, doch die übersprang ich jetzt mal, es war einfach zu heiss, maximal hat das Thermometer im Auto mal kurz 44° angezeigt. Den letzten Abschnitt bis Geraldton zog ich dann durch, am Ziel war es «nur» noch 29°. Nach dem Bezug des Zimmers im Best Western Motel Hospitality Inn lockte noch der Pool gleich gegenüber meiner Türe. Zwei Runden schwimmen, anschliessend unter die Dusche, und der Schweiss des Tages war weggewaschen. Nachtessen gab es schliesslich im hauseigenen Restaurant «Emerald Room», endlich mal ein richtiges Steak!

Freitag, 12.01.2018

Nach dem vielen Rumdüsen in den letzten Tagen war heute mal Ruhe angesagt, für Mensch und Maschine. Gut, ein paar Kilometer machten wir schon, aber nur rund um Denham. Etwa 25 km nordwestlich liegt die Delphin-Forschungsstation Monkey Mia, bei welcher vormittags bis zu drei Fütterungen von wilden Delphinen stattfinden. Zeitlich ist es ungewiss, wann genau die Tiere erscheinen, und es wird maximal bis 12 Uhr gefüttert, danach müssen sich die Meeressäuger ihre Fische wieder selber jagen, damit sie es nicht verlernen. Die erste Runde verpasste ich schon mal, da ich etwas länger liegen blieb, aber das war so geplant. Als ich dann dort ankam, wäre gemäss den Sichtungstabellen der letzten Tage gerade die zweite Fütterung im Gang gewesen, doch nichts passierte. Kurz nach zehn Uhr wären die Tiere in der vergangenen Woche jeweils noch ein drittes Mal erschienen, heute jedoch nicht. Nun gut, dafür hatte ich an einem schattigen Plätzchen Zeit, noch die Detailplanung für die restlichen Tage voranzutreiben und später wanderte ich dann noch ein wenig im heissen Sand der grossen Bucht entlang, bis ich langsam Hunger verspürte. Ich fuhr zurück ins Dorf, nicht ohne noch ein paar Lookouts zu besuchen, wo man einen schönen Überblick über einen Teil der Halbinsel hat. Im Kühlschrank hatte es noch zwei Scheiben Pizza von gestern, die in der Mikrowelle wieder warm wurden.

Am Nachmittag gings dann noch in den benachbarten François Péron-Nationalpark, welcher die Spitze der Halbinsel umfasst. Bis zum Visitors-Center kann mit allen Fahrzeugen hingefahren werden, ab dort nur noch mit 4WD, und ich habe zwar einen SUV, aber ohne 4WD. So gings dann mehr schwimmend als fahrend auf der Sandpiste zum Besucherzentrum. Das war nichts mehr als ein ehemaliger Bauernhof mit Schaf-Scher-Station und einem Hotpool als Attraktion. Kein Wunder, dass bei dieser Hitze niemand in das fast 40 Grad warmen Wasser steigen mochte. Nachdem ich die Station besichtigt hatte, schwamm ich wieder zurück nach Denham, unterwegs noch ein Abstecher zu einer grossen Lagune.

Wieder zurück in meiner «Hütte» musste dann doch noch ein kleines Bad im Meer vor dem Ocean Village sein, obschon es schon wieder ziemlich windete, aber noch kein Vergleich zu gestern. Das Wasser ist lauwarm, was kühlt ist der Wind, aber es war herrlich. Zum Trocknen gings dann aufs Haus-eigene Terrässli, wo ich die Abendsonne bis zum Untergang genoss. Fürs Nachtessen hatte ich schon ein Restaurant gefunden, „The Old Pearler“ in einem kleinen herzigen Häuschen aus Muschelziegeln, sogar das Essen hätte ich mir am Nachmittag von der ausgehängten Menukarte schon ausgesucht, als noch zu war. Gross dann die Enttäuschung, als ich am Abend dort einkehren wollte, ausgebucht! In dem kleinen Raum haben maximal 20 Personen Platz, alles reserviert, auch für einen einzelnen Dahergekommenen gabs leider keinen Platz mehr, schade! So gings dann in ein Restaurant des Shark Bay Hotels, dass sich als Australia’s most westerly Hotel anpreist, und wo ich einen feinen Chicken Ceasars Salad bekam, auch gut. Jetzt sollte ich noch zusammenräumen und putzen…

Donnerstag, 11.01.2018

Eigentlich wollte ich heute etwas länger schlafen und dann die ca. 600 km Fahrt gemütlich angehen, an meinem Ziel in Denham hatte ich meine Ankunft zwischen 19 und 20 Uhr angekündigt. Dann bemerkte ich gestern in der Buchungsbestätigung die kurze Notiz, dass ein Einchecken im Oceanside Village nur bis 17.30 möglich und die Reception anschliessend geschlossen sei. Also musste ich etwas umdisponieren, doch es ging auch so. Nach gut durchschlafener Nacht – Voraussetzung für eine solch lange Solo-Autofahrt – erwachte ich trotzdem etwas vor dem Wecker und machte mich reisefertig. Punkt 8 Uhr gings los, das Zmorge gab erst etwas später beim Tankstopp in Geraldton. Die Landschaft hat sich nun verändert von Getreidefeldern in Buschland. Meist verläuft die Strasse etwas abseits der Küste, so dass man selten Wasser sieht. Dafür kams  kurz von oben. Hinter Geraldton durchfuhr ich eine richtige Regenfront, das Auto war für den Moment wieder äusserlich sauber. Später kam die erste längere Strecke ohne Zivilisation, 130 km zwischen der letzten Ortschaft und dem Billabong Roadhouse. Mit meinem Fahr-/Pausensystem (45-60 Minuten fahren, dann jeweils 10-15 Minuten Pause) kam ich recht gut voran, so dass die Ankunftszeit vor 17.30 problemlos zu halten war. Ich hatte sogar noch genügend Zeit, vorher einen ersten Abstecher zu machen und am Eingang zur Shark Bay World Heritage Area den Hamelin Pool zu besuchen, wo einerseits eine alte Telegrafenstation steht und andrerseits im seichten Wasser der Bucht Stromatolithen zu bestaunen waren, eine Art Korallen, also steinige Lebewesen. Auf den letzten Kilometern vor Denham zeigte sich dann die prächtige Landschaft der Shark Bay in bestem Sonnenlicht, und um 16.30, eine Stunde vor „Torschluss“ kam ich in Denham beim Oceanside Village an. Die Frau an der Reception meinte, was wohl los sei, es habe so viele Schweizer hier. Ich sagte nur: Winter… Und tatsächlich, später liefen mir hier in der gegend immer wieder Schweizer über den Weg. Das Hotel besteht aus verschiedenen kleinen Chalets, ich bekam Nr. 5 in der zweiten Reihe, etwa 50 m vom Strand entfernt. Meines hat zwei Zimmer, Küche und Bad, hier richtete ich mich nun für die nächsten zwei Nächte ein. Dazu gehörte auch ein kleiner Grosseinkauf im nahen Supermarkt. Wetter hier oben wieder sehr sonnig, allerdings windet es heftigst vom Meer her, Ausläufer eines tropischen Zyklons, der viel weiter nördlich demnächst auf westaustralisches Festland treffen soll. Dem Wind getrotzt gabs dennoch ein paar Sonnenuntergangsfotos, danach hatte ich Lust auf Pizza und liess mir beim nahem TakeAvay-Pizzaiolo eine „Local Pizza“ backen, genoss sie anschliessend in meiner Küche, draussen auf dem Terrässli wars leider viel zu stürmisch. Inzwischen hat der Wind aber bis zu späten Abend etwas nachgelassen. Ich hoffe nur, mein Auto hat nichts abbekommen, es steht draussen direkt dem Wind ausgesetzt zwischen Strand und erster Häuserreihe.

Mittwoch, 10.01.2018

Im Tradewinds Hotel wäre ich gerne noch ein wenig länger geblieben, was ursprünglich auch geplant war, doch ich musste heute einen kleinen Kniff anwenden, damit ich meinem morgigen Ziel auf erreichbare Distanz näher komme. Erst geht’s aber nur nebenan zum Hafen, ich habe Badesachen eingepackt, der Rest bleibt im Auto. Mit einem Schnellboot von Rottnest Express fahre ich hinüber zur Rottnest Island. Auf dem Schiff werden praktischerweise gleich Mietvelos und zugehörige Ausrüstung mitgeführt. So fasse ich beim Einsteigen einen Velohelm und beim Aussteigen auf der Insel dann auch noch ein Fahrrad und erkunde damit nun die Insel. Auch hier hat sich in den letzten 30 Jahren vieles verändert. Und da in Australien noch Sommerferien sind, ist das Eiland ziemlich bevölkert. Erst habe ich noch ein Problem mit meiner Kamera, als dies gelöst ist, starte ich zur Inselrundfahrt, entlang schöner Buchten, allerdings bei ziemlich hefftigem Gegenwind, was mich ziemlich ins schwitzen bringt. Ich bin sogar schon nahe daran, das Vorhaben, zum hintersten Punkt der Insel zu fahren, abzubrechen. Doch der Ehrgeiz überwiegt und nach fast zwei Stunden hartem Kampf bin ich dort. Für den Rückweg mit Rückenwind brauche ich dann nur die Hälfte der Zeit. Natürlich muss man unterwegs immer wieder anhalten, sei es um die schönen Buchten und Strände anzuschauen und zu fotografieren, oder dann stösst man natürlich sicher irgendwo auf die allgegenwärtigen Quokkas, eine Art Kleinkänguru (oder Mischung aus Känguru und Ratte), die es nur hier auf der Insel gibt. Und sie sind recht zutraulich, die Tierchen, man muss nur ein Weilchen rumstehen, und schon kriechen sie aus dem Gebüsch hervor. Futtern und streicheln ist aber nicht erlaubt, dafür der neueste Hit, Quokka-Selfies. Auch ich habe es zu ein paar lustigen Schnappschüssen gebracht. Mit Baden ist leider nichts, das Wasser wäre zwar warm, doch es hat zuviel Sand im starken Wind, auch an den Stränden, die als windstill bezeichnet wurden. Fürs obligate Fussbadbild reichts trotzdem. So fahre ich halt noch eine Runde im Dorf, wo irgendwo noch ein Touristentram fahren sollte. Leider ist das Zügli unsichtbar, die Schienen rostig und an den nächsten zwei veröffentlichten Abfahrtszeiten fährt kein Zug. Auf dem vielbelebten und mit Velos überstellten Dorfplatz gönne ich mir im Subway noch ein Sandwich, bevor es mit der nächsten Ferry wieder nach Fremantle geht. Nun sind noch etwa 240 km fahren angesagt, wobei die meiste Zeit drauf geht, den Grossraum Perth zu verlassen. Ist man dann mal auf der Highway und kann 110 km/h fahren, geht’s schnell voran. In Jurien Bay ist mein Nachtstopp, bevor ich morgen Denham an der Shark Bay erreichen werde, wo ich zwei Nächte gebucht habe. Dies wäre dann die Transferfahrt, auf dem Rückweg werde ich mir mehr Zeit nehmen und einige Attraktionen an der Strecke besuchen.

Hinweis:
Etwas weiter unten habe ich jetzt auch noch das detaillierte Programm dieser Reisewoche nachgetragen.